Gardos/Habesohn brachten ÖTTV erhoffte Heim-EM-Medaille

Nach einem 4:2-Sieg im Semifinale gegen die Spanier He/Machado greift das ÖTTV-Duo nach Gold.

Schwechat – Österreichs Tischtennis-Verband (ÖTTV) ist am Sonntag am Finaltag der Heim-EM noch vertreten, und das in einem der Finalspiele. Robert Gardos/Daniel Habesohn erspielten sich am Samstag in Schwechat mit einem 4:1 gegen Marcos Freitas/Andrej Gacina (POR/CRO) die insgesamt 31. ÖTTV-EM-Medaille und mit einem 4:2 gegen He Zhi Wen/Carlos Machado (ESP) das Finale. Großes leistete auch Stefan Fegerl, für ihn war erst im Einzel-Viertelfinale Endstation.

Der Niederösterreicher präsentierte sich bei diesen Titelkämpfen so stark wie noch selten. Als einziger ÖTTV-Herr ins Einzel-Achtelfinale vorgedrungen, bootete er da den Russen Andrej Liwenzow mit 4:1 aus. Im Match um das Semifinale bzw. die Medaille gegen Triple-Ex-Europameister Wladimir Samsonow entwickelte sich am Abend eine der besten Partien dieses Events, in der der als Nummer zwei gesetzte Weißrusse nicht zuletzt durch seine Routine mit 4:1 gewann.

Fegerl legte gegen den 37-jährigen Favoriten jeden Respekt ab, hielt in den ersten vier Sätzen voll dagegen. Von etlichen atemberaubenden Topspin-Duellen von weit hinter der Platte geprägt, dauerte die Partie erwähnenswerte 57 Minuten, obwohl es bei weitem nicht über die volle „best of seven“-Distanz ging. Der Lokalmatador vergab mehrere Vorsprünge wie ein 8:4 in Satz eins und drei Satzbälle in Satz vier, das gab letztlich den Ausschlag.

„Er hat am Ende der Sätze immer noch einen Tick zulegen können, das war der Unterschied“, erklärte Fegerl der APA - Austria Presse Agentur. Ein bisschen trauerte der 25-Jährige dem Verpassen der Medaille nach. „Ich bin mit meiner Leistung zufrieden, aber auch ein bisschen enttäuscht“, sagte der gebürtige Waldviertler. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich so eine dicke Chance gegen ihn habe.“ Die drei vergebenen Satzbälle auf das 2:2 bezeichnete er als entscheidend.

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Samsonow stellte mit einem Kantenball auf 3:1 und ließ sich in Satz fünf sein erstes EM-Einzel-Semifinale seit 2008 bzw. nach vier Viertelfinal-Ausscheiden en suite nicht mehr nehmen. Fegerl: „Je länger es gegen ihn dauert, desto schwerer wird es. Da macht man dann selbst einfache Fehler.“ Im Semifinale favorisiert Fegerl Samsonow gegen den Griechen Panagiotis Gionis wie auch Dimtrij Ovtcharov im deutschen Duell mit Bastian Steger. Ovtcharov ist für ihn Gold-Favorit.

Das Herren-Finale wurde gegen die Gewohnheit vom Ende des Turniers weggesetzt, nun beschließt am Sonntag ab 18.00 Uhr das Doppel-Endspiel der Herren die zehntägigen Titelkämpfe. Gardos/Habesohn könnten vor heimischem Publikum den krönenden Schlusspunkt setzen, indem sie ihren im Vorjahr in der dänischen Stadt Herning errungenen EM-Titel erfolgreich verteidigen. Aber schon jetzt sind die beiden das erfolgreichste Doppel der ÖTTV-Geschichte.

Denn das frühere ÖTTV-Parade-Gespannn Werner Schlager/Karl Jindrak hatte es zwar 2005 in Aarhus und damit ebenfalls in Dänemark auf EM-Gold gebracht, sonst aber bei Großereignissen kein Finale erreicht oder etwa WM- oder Olympia-Bronze gewonnen. Ein Finalsieg würde die erste erfolgreiche Titelverteidigung in diesem Bewerb bedeuten, seit die Deutschen Timo Boll/Christian Süß 2008 in St. Petersburg, 2009 in Stuttgart und 2010 in Ostrava gewonnen haben.

Vor vier Jahren in Stuttgart war Wang Zeng Yi mit seinem Landsmann Lucjan Blaszczyk unterlegener Finalist, und der Pole steht mit dem Kroaten Tan Ruiwu auch diesmal im Endspiel. Gardos/Habesohn hatten die beiden schon nach der Auslosung auf ihrer Final-Rechnung. „Sie sind über dem Tisch unglaublich gut“, zollte Gardos den Gegnern Respekt. Mit Habesohn zieht er aber aus den eigenen Leistungen Selbstvertrauen, auf hohem Niveau schafften sie es ins Finale.

Das Herren-Doppel könnte der einzige Bewerb ohne Goldmedaille für Deutschland sein. Denn nach den beiden Team-Titeln ist nicht nur Ovtcharov Favorit im Herren-Einzel, sondern ist ein deutscher Sieg im Damen-Doppel bereits fix. Denn um Gold spielen die DTTB-Duos Petrissa Solja/Sabine Winter und Zhenqi Barthel/Shan Xiaona. Und im Damen-Einzel spielen sich Shan und Han Ying in einem Semifinale vierer EM-Neulinge einen deutschen Finalplatz aus. (APA)


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