Weißenbach startet Zehnjahresprojekt

Wasser- und Kanalleitungen sollen „durchlässiger“ werden. Die rote Zone bringt erhebliche Mehrkosten.

Von Helmut Mittermayr

Weißenbach –„Gips gibt’s. So viel ist einmal klar.“ Im Wortspiel des Bürgermeisters schwingt schon ein gewisser Fatalismus mit. Schließlich gebe es in Weißenbach ja auch ein Gipswerk. Das Phänomen der Gipskarstproblematik habe die Gemeinde so gesehen auch nicht komplett überraschen können.

Bürgermeister Hans Dreier: „Rund 70 % unserer Baugründe sind gar nicht betroffen, 20 % liegen in der gelben Zone, zehn Prozent sind rot unterlegt.“ Im Vergleich zu Reutte, wo sich kürzlich die Erde aufgetan und die Landesgeologie als Reaktion eine enorme Ausweitung der roten Zone auf fast den gesamten Ort bekannt gegeben hat, bleibt Weißenbach bisher nur am Rande tangiert.

BM Dreier traut dem Frieden aber noch nicht ganz: „Im Herbst gibt es bei uns noch eine Probebohrung in der roten Zone. Dann werden wir sehen, was passiert. Nach dem Reuttener Loch im Feld bin ich wenig zuversichtlich, dass das Land Tirol nicht vorsorglich überall die roten Zonen ausweiten wird.“

Das Vorkommen des seltenen Naturphänomens drückt dem Ort aber in jedem Fall den Stempel auf. Abgesehen von unvermeidlichen Wertminderungen für Baugrundstücke schnellen auch die kommunalen Kosten in die Höhe. Die Gemeinde Weißenbach hat nun ein Großprojekt in Angriff genommen, das zehn Jahre dauern soll und rund 2,2 Millionen Euro kosten wird. Zug um Zug sollen Kanal und Wasserleitungen an die heutigen Erfordernisse und gestiegene Gebrauchsmengen angepasst werden. Da Oberflächenwässer in der roten Zone nicht einfach in den Abwasserkanal eingeleitet werden dürfen, müssen hier eigene Regenwasserabläufe geschaffen werden. Dreier: „Die Bauarbeiten wurden aber nicht durch das Gipskarstvorkommen ausgelöst, sie nehmen nur Rücksicht darauf. Das Dorf hat sich einfach entwickelt. Immer neue Häuser wurden an alte, zu klein dimensionierte Leitungen angehängt. Darauf reagieren wir nun.“

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