Mutmaßlicher Heiratsschwindler in Wien vor Gericht

Der 26-Jährige bekannte sich in weiten Teilen schuldig. Er wies aber zurück, dass er die Frauen auch bedroht habe. Die Verhandlung wurde vertagt.

(Symbolfoto)
© TT/Thomas Böhm

Wien – Ein mutmaßlicher Heiratsschwindler, Betrüger und Dieb hat sich am Montag vor Einzelrichterin Michaela Röggla-Weisz im Wiener Landesgericht verantworten müssen. Der 26-Jährige, der unter permanenten Geldsorgen litt, bekannte sich zu großen Teilen der Anklage schuldig, wies aber zurück, dass er in zwei Fällen den um ihr Geld gebrachten Opfern auch massiv gedroht haben soll. Auch dass er den jungen Frauen „eine gemeinsame Zukunft“ versprochen haben soll, stritt der von Christian Werner verteidigte Angeklagte ab. Die Verhandlung wurde vertagt.

Am schwersten wiegt der Fall einer jungen Frau, mit der der Angeklagte nach eigenen Angaben ein „Techtelmechtel“ hatte. Sie sagte aus, dass der 26-Jährige ihr weisgemacht habe, dass er wegen einer Körperverletzung mit Todesfolge im Gefängnis gesessen sei. Dort habe er einen Mithäftling kennengelernt, der die Frau als Elfjährige vergewaltigt habe. Wenn sie ihm nicht mit Geld aushelfe und für ihn Handyverträge abschließe, werde das noch einmal passieren. Außerdem habe er ihr gesagt, dass er der „Knightrider“, angeblich eine berüchtigte Figur der Wiener Hooliganszene, sei und überdies eine Frau in Schwechat kenne, die für ihn missliebige Personen zusammenschlage.

Der Angeklagte wies dies zurück: Betrogen habe er sie, aber gedroht habe er der Zeugin nicht. Genau so verantwortete er sich auch in einem zweiten, ähnlich gelagerten Anklagepunkt, bei dem er seinem Opfer gesagt haben soll, es werde Bekanntschaft mit seinen Freunden aus dem Gefängnis machen, wenn es seinem Ansinnen nicht nachkomme.

In einem Fall geht es um einen Betrug über knapp 14.000 Euro. „Begräbniskosten für den Bruder (der sich bester Gesundheit erfreut, Anm.), Schule, die Überstellung der Pferde seiner Mutter nach Hamburg, eine Reise nach Hamburg ...“, lauteten einer Zeugin zufolge die Begründungen, warum sie dem Angeklagten mit Geld aushelfen sollte. „Ich hab‘ viel Blödsinn herumerzählt, das geb‘ ich zu“, meinte der 26-Jährige.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper

Als Begründung für seine Aktionen gab er seinen Geldmangel nach dem Ende einer längeren Beziehung an: „Ich hab‘ bei ihr gewohnt, wir haben die Wohnung hergerichtet. Als wir fertig waren, hat sie gesagt, ich kann gehen“, erzählte er der Richterin. „Ich hab‘ geschaut, dass ich wo unterkomm‘, dass ich zu Geld komm‘.“ Röggla-Weisz vertagte die Verhandlung auf den 6. November, um durch die Hörung weiterer Zeugen vor allem bezüglich der Drohungen zu einem klareren Bild zu kommen. (APA)


Schlagworte