Duft von Paprika und Elend

Ilija Trojanows und Christian Muhrbecks literarisch-fotografische Reise nach Bulgarien.

Von Ivona Jelcic

Innsbruck –„Grenzgänge“ verliefen für Ilija Trojanow zuletzt nicht immer reibungslos, wurde ihm doch die Einreise in die USA verweigert, was nicht nur er selbst auf sein Engagement gegen die NSA-Überwachung zurückführte. Weniger hindernisreich sind die „Grenzgänge“ in der Innsbrucker Stadtbücherei, der nächste am morgigen 17. Oktober, bei dem Literaturkritiker Klaus Zeyringer mit Trojanow und Sabine Gruber „über die Gegenwart der Vergangenheit und über Geschichten der Geschichte“ diskutieren will (19 Uhr).

Mit der Gegenwart und auch Geschichte seines Geburtslandes Bulgarien beschäftigt sich der als „Weltensammler“ bekannt gewordene Trojanow, polyglotter Autor mit deutschem Pass und Wiener Wohnort, in seinem neuen Buch „Wo Orpheus begraben liegt“: Ein literarisches, ein fotografisches (Christian Muhrbecks eindrückliche Fotografien begleiten Trojanows Erzählungen), aber auch ein olfaktorisches Erlebnis: In Sofia duftet es im Spätsommer nach Paprika, aber es stinkt auch nach Elend, am Donauufer riecht es nach Abgasen und Abwässern statt nach Fisch, an den (post-)sozialistischen Denkmälern und auch in der Kirche riecht es nach Heuchelei.

Bulgarien gilt neben Rumänien als ärmstes Mitgliedsland der Europäischen Union, von den gut sieben Millionen Einwohnern lebt etwa jeder fünfte in Armut. Und in den bulgarischen Rhodopen, einem Gebirge im Grenzgebiet zu Griechenland, wurde angeblich Orpheus geboren.

Was auf den Alltag, etwa der Müllsammler auf einer Deponie, eher wenig Auswirkungen hat. Trojanows poetische Bestandsaufnahmen und dokumentarische Kurzgeschichten führen aufs Land, zu einer Totenfeier, zu den Donaufischern, zu kleinen, alltäglichen Begebenheiten und in die weitverzweigte Welt einer Sippschaft. Es riecht auch ein bisschen nach Roman.


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