Teurer Transport unter dem Blaulicht

Eine Frau zahlte für den Transport von einem Seniorenheim zum nächsten mit einer Blaulichtorganisation zehn Euro pro Kilometer. Die Abrechnung nach Zonen und fehlender Vertrag machten die Fahrt zum Luxus.

Von Wolfgang Otter

Wörgl –Eine Fahrt mit Fahrzeugen, die im Auftrag der Rettungsdienst Tirol GmbH unterwegs sind, kann teuer kommen. Diese Erfahrung musste eine Pensionistin machen, die im September einen Liegendtransport zwischen den beiden Seniorenheimen in Wörgl und Scheffau benötigte. „Der gesundheitliche Zustand der Frau hat es nicht erlaubt, sie normal zu transportieren“, erklärt Harald Ringer, Verwaltungsdirektor des Wörgler Seniorenheims. Daher griff man auf ein Fahrzeug einer Blaulichtorganisation zurück. Ihm und auch den Angehörigen war klar, dass die Frau bzw. deren Familie diesen Transport aus der eigenen Tasche bezahlen müsse. Die Tiroler Gebietskrankenkasse (TGKK) rechnet nämlich nur Fahrten zu einer medizinischen Behandlung bzw. Untersuchung ab.

Als Ringer schließlich vor Kurzem die Rechnung in Händen hielt, blieb ihm aber dennoch regelrecht die Spucke weg: 199 Euro für rund 20 Kilometer Fahrt, also zehn Euro pro Kilometer, waren darauf aufgelistet.

Das Pech für die Scheffauerin: Die Rettungsdienst Tirol GmbH rechnet nicht nach Kilometern, sondern nach Zonen ab, wie Andreas Karl von der Gesellschaft erklärt. So gibt es eine Zone von 1 Kilometer bis 15 Kilometer, die nächste bis 50 Kilometer und so weiter. Und die Frau war in die Zone mit 50 Kilometer gefallen: Kostenpunkt 199 Euro, ganz gleich ob es nun 20 oder 50 Kilometer sind.

„Wir sind laut Vertrag mit dem Land Tirol verpflichtet, derart abzurechnen“, sagt Karl. Die Zonen seien über Fallzahlen der Transporte eingeteilt worden. Wobei die meisten Transporte zwischen einem und 15 Kilometern anfallen.

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Ringer kann dieser Argumentation nichts abgewinnen. Für ihn stellt sich die Frage, „ob auch mit der Krankenkasse in dieser Höhe abgerechnet werden kann?“ Laut Auskunft der TGKK würde für diesen Transport der Rettungsdienst Tirol GmbH rund 87 Euro ausbezahlt werden. Außerdem entsteht ein Selbstbehalt von 10,60 Euro für den Patienten.

Der Wörgler Heimverwaltungsdirektor hat noch eine andere Zahl von einem privaten Taxidienst erfahren. Dieser hätte laut dem Verwalter den Transport um 40 Euro durchgeführt. So kostengünstig könne jedoch die Rettungsdienst Tirol GmbH nie fahren, wie Karl, mit dieser Summe konfrontiert, betont. Er brauche in diesem Fall zwei Personen als Begleitung.

Karl sei aber bewusst, dass genau die Personengruppe der Pensionistin durch den Rost falle, „daher sind wir dabei, mit dem Land über einen erträglichen Sozialtarif für solche Transporte wie von Seniorenheim zu Seniorenheim zu verhandeln“.

„Das Land Tirol und das Rote Kreuz führen konstruktive Gespräche, um diese unbefriedigende Situation in Zukunft zu verhindern“, erklärt dazu auch Florian Koll aus dem Büro von Landesrat Bernhard Tilg auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung per E-Mail. Er versucht die Transportkosten zu erklären: „Qualifizierte Krankentransporte kosten sozialversicherte Personen grundsätzlich die doppelte Rezeptgebühr.“ Da die Sozialversicherungen aber bei Überstellungstransporten von einem Altenheim zu einem anderen Altenheim der Ansicht seien, dass es sich nicht um Krankentransporte handle, sei „der Privatzahlertarif wie bei nicht sozialversicherten Personen anzuwenden. Hier darf aber aufgrund europarechtlicher Vorschriften nicht zwischen Einheimischen und Nichteinheimischen kostenmäßig unterschieden werden. Die Privatzahlertarife stellen die tatsächlichen Kosten dar, die durch Vorhaltung, Anschaffung, Wartung und Instandhaltung der Fahrzeuge sowie durch die Kosten für die hochqualifizierten Mitarbeiter des Roten Kreuzes entstehen“, wie Koll in seinem Schreiben weiter anführt.

Für Verwaltungsdirektor Ringer wäre jedoch „eine Privatverrechnung in Anlehnung an die vertraglichen Sätze zuzüglich einer Bearbeitungsgebühr legitim“. Ein derart hoher Kilometersatz sei für Normalverbraucher nicht nachvollziehbar und führe unweigerlich „zur Annahme der Abzocke“ und werfe ein schlechtes Licht auf die Blaulichtorganisationen, wie Ringer warnt.


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