Baudokument als Generationentreff

Lange Zeit blieb das Mesnerhaus im Rattenberger Malerwinkel ungenutzt. Das denkmalgeschützte Gebäude, das im Besitz der Pfarre ist, soll mit einem Aufwand von 1,8 Millionen Euro revitalisiert werden.

Von Walter Zwicknagl

Rattenberg –Auf Spurensuche gingen schon vor einiger Zeit Bauhistoriker und Experten des Bundesdenkmal­amtes im alten Mesnerhaus im Rattenberger Malerwinkel, das über Jahrzehnte größtenteils nur noch Depot war. In den kommenden zwei Jahren soll es wieder ein Schmuckstück werden. „Teile des Hauses gehen sicher auf das 13. Jahrhundert zurück“, ist Walter Hauser vom Bundesdenkmalamt überzeugt. „Laut einer Zeichnung im Schwazer Bergbuch anno 1556 dürfte das Objekt schon damals das heutige Ausmaß erreicht haben“, sagt Sonja Mitterer, die für die Baudokumentation sorgt. So manchen sakralen Schatz wie einen Baldachin und Teile eines Heiligen Grabes barg die Kunsthistorikerin Sylvia Mader, als sie Raum für Raum unter die Lupe nahm.

„Das Haus ist seit dem Jahr 1591 im Besitz der Pfarre. Dort lebte in früheren Zeiten ein Vikar, weil Rattenberg keinen eigenen Pfarrer hatte. Wir wollen jetzt alles daran setzen, dass das Haus wieder benützbar wird“, stellt Pfarrer Dieter Reutershahn, seit vier Jahren der Seelsorger in Rattenberg und Radfeld, fest. Längst hat er konkrete Vorstellungen, wie das Haus genutzt werden soll. Dort sollen das Pfarrbüro, Räumlichkeiten für Chorproben und die Jugendarbeit für die Region geschaffen werden. „Mich freut, dass die Erzdiözese Salzburg voll hinter dem Projekt steht“, sagt der Pfarrer, der am Sonntag sein silbernes Priesterjubiläu­m feierte.

„Wenn man dieses Gebäud­e vor dem Verfall retten will, muss bald etwas geschehen“, umreißt Architekt Josef Wurzer die Situation. Pläne für die Sanierung und Revitalisierung hat er längst erarbeitet. Er spricht von Kosten in der Höhe von 1,8 Millionen Euro. Laut Finanzierungsplan sollen Diözese, Pfarre und öffentliche Hand zu je einem Drittel dafür aufkommen. Vorleistungen gibt es bereits durch die Erzdiözese Salzburg. Der Architekt kehrt den städtebaulichen Aspekt des Mesnerhauses mit der historischen Stiege, die durch das Gebäude zum Nordportal der Pfarrkirche führt, hervor. Im Zuge des Umbaues wird die Stiege wieder geöffnet und durch einen Aufzug barrierefrei ergänzt. Im zweiten Obergeschoß ist eine Stube geplant, in der das Besondere eine gotische Decke ist, die als historisch wertvolles Element den Raum bestimmt. Wurzer rechnet mit einem Baubeginn spätestens im Frühjahr. Er sieht im Haus ein baugeschichtliches Juwel innerhalb eines denkmalgeschützten Ensembles. „Das bringt siche­r eine weitere Aufwertung des Malerwinkels“, meint BM Franz Wurzenrainer, der jetzt möglichst viele Geldquellen erschließen will.

„Für mich ist das Bauwerk ein Monument und Dokument, da Teile älter als die Stadtgründung sind“, unterstreicht Denkmalschützer Walter Hauser. „Das Erdgeschoß mit fremd genutzten Lagerräumen bleibt aber von den Revitalisierungsmaßnahmen unberührt“, sagt Architekt Wurzer.

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