Haben Arbeitnehmer ein Recht auf Rauchpausen?

Die Frage ob Rauchpausen als Freizeit gelten sollen, lässt auch bei TT-Lesern die Wogen hochgehen. Im Gesetz gibt es dazu keine explizite Regelung, bei manchen Tiroler Leitbetrieben ist das Ausstempeln zum Rauchen längst Realität.

(Symbolfoto)
© dpa/Daniel Karmann

Innsbruck – Geht es nach den Kollektivvertrag-Verhandlern der Metallindustrie sollen Rauchpausen künftig als Freizeit gelten. Sollte die Forderung durchgehen, würden Arbeiter in der Branche dazu verpflichtet für jeden Glimmstängel-Konsum extra auszustempeln.

Ein Thema, das zweifellos die Wogen hochgehen lässt und gleichermaßen polarisiert. Auf der TT-Facebookseite ( www.facebook.com/TirolerTageszeitung ) entbrannte am Montag eine emotionale Debatte dazu. Viele Nichtraucher sprechen sich klar für eine solche Regelung aus, andere warnen davor, dass dann „selbst der Gang zur Toilette“ wohl irgendwann nicht mehr als Arbeitszeit gerechnet wird. Einige Raucher sehen sich einer Hetzkampagne ausgesetzt, andere können die Nichtraucher verstehen. „Ich finde es unfair gegenüber den Nichtrauchern, die keine Pause machen“, meint etwa Userin Melly R. Auch die Frage, wo generell die Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit sind, wird häufig aufgeworfen. „Wie ist das eigentlich mit privat telefonieren oder Internetsurfen? Das ist wirklich Freizeit“, meint User Maren S.

Nicht vereinbarte Pausen können verboten werden

Auch wenn die Rauchpause von den meisten Firmen toleriert wird, eine gesetzliche Regelung zur Arbeitsniederlegung wegen Zigarettenkonsums existiert in Österreich nicht. Aber klarerweise besteht das Recht auf eine allgemeine Pause im Umfang von mindestens 30 Minuten, wenn die Tagesarbeitszeit sechs Stunden überschreitet. Ob die halbe Stunde in mehrere kleine Einheiten geteilt werden kann, muss firmenintern per Betriebsvereinbarung geregelt werden. Die Arbeitnehmer können sich prinzipiell also die Zeitpunkte der Ruhephasen nicht ohne Vereinbarung mit dem Arbeitgeber aussuchen. Rauchpausen, die außerhalb der vereinbarten Arbeitsunterbrechungen stattfinden, kann die Firmenleitung also theoretisch verbieten. Oder sie kann einfordern, dass Arbeitnehmer die „verqualmte Zeit“ einarbeiten.

Unsere Mitarbeiter müssen für Rauchen das Firmengelände verlassen und damit auch ausstempeln.
Unternehmenssprecherin bei Sandoz

Das Ausstempeln zum Rauchen ist bei manchen Tiroler Leitbetrieben wie etwa dem Unterländer Generikahersteller Sandoz längst Realität. „Wir sind seit Jahren ein komplett rauchfreier Standort“, teilt eine Sandoz-Sprecherin mit: „Unsere Mitarbeiter müssen für Rauchen das Firmengelände verlassen und damit auch ausstempeln.“ Auch der Kristallkonzern Swarovski hatte vor Jahren die Rauchpause von der Arbeitszeit ausgeklammert. (siha, mas)


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