Schock und Panik nach Beben: Historische Kirchen in Ruinen

Das Epizentrum des Bebens liegt tief in der Erde, aber trotzdem: die Schäden sind schlimm, die Bilder erschreckend. Historische Kirchen stürzen ein, ein Kind wird zu Tode getrampelt.

Die älteste christliche Kirche der Philippinen in der Inselhauptstadt Cebu City wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen.
© EPA/DENNIS M. SABANGAN

Von Girlie Linao und Christiane Oelrich, dpa

Manila – Das vierjährige Mädchen hatte in der Panik, die sich nach dem Erdbeben auf den Philippinen breit machte, keine Chance. In Todesangst stürmten die Menschen in der Ortschaft Pinamungajan auf der Insel Cebu aus der Wohlfahrtsbehörde, wo die Kleine mit ihrer Mutter Schlange stand, auf das Kind achtete niemand. „Die Mutter verlor sie aus den Augen und sie wurde zerquetscht“, berichtet Wohlfahrtsministerin Corazon Soliman.

Brigitte Lux ist eine deutsche Auswanderin, die keine 50 Kilometer vom Epizentrum des Bebens auf der Insel Bohol entfernt lebt. „So schlimm haben wir es hier noch nie erlebt, ein Riesenschock“, sagt die 63-Jährige. Kleinere Erschütterungen ist die Frau aus Ludwigshafen seit ihrem Umzug auf die Philippinen 2006 gewohnt. „Das Beben wollte gar nicht aufhören.“

Lux lebt seit 2006 auf der Insel Panglao. Sie stürzte um kurz nach acht Uhr morgens in den Garten. „Seid ihr ok?“, rief sie den Nachbarn zu. Alles in Ordnung. „Wir sind glimpflich davon gekommen“, sagt sie. Bei Freunden stürzte der Fernseher aus dem Regal, bei anderen klirrten die Gläser im Schrank.

Die San-Pedro-Kirche von Loboc ist eine Ruine.
© EPA/ROBERT MICHAEL POOLE

Keine 30 Kilometer weiter nördlich sind die Schäden aber erschreckend. Die San-Pedro-Kirche von Loboc - eine Ruine. Seit 1638 stand sie in der Nähe der heutigen Provinzhauptstadt Tagbilaran. Taifune und Überschwemmungen hat sie überstanden. Von der Fassade mit den drei markanten Torbögen ist nur noch ein Schutthaufen übrig.

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Die Kirche Mariä Unbefleckte Empfängnis in Baclayon war eine der ältesten mit Grundmauern aus dem späten 16. Jahrhundert. Auch sie ist weitgehend zerstört. „Das letzte größere Beben war hier 1700“, sagt Trixie Angeles von der Denkmalschutzbehörde schockiert. „So schwere Schäden an historischen Gebäuden hat es noch nie gegeben.“

Cebu-Stadt liegt auf einer Nachbarinsel, 60 Kilometer entfernt. Auch hier liegen die Nerven blank. „Ich werde kein Auge zumachen“, sagt Einwohnerin Lynlyn Empleo der dpa. Sie stillte gerade ihr Baby, als sich plötzlich Tische und Stühle bewegten und ihre Porzellanfiguren aus dem Regal kippten. „Wenn ich die Augen schließe, kann ich es immer noch spüren. Das Haus schwankte und wurde geschüttelt, alles gleichzeitig.“

Manny Franciso war gerade zum Urlaub in Mabolo auf Cebu angekommen. Der Karikaturist ist einiges an Erdbeben gewohnt - aber nicht so etwas. „Erschreckend“, sagt er. „Man sieht das Dach vibrieren und hat das Gefühl, die ganze Erde hebt sich.“

Ein Beben der Stärke 7,2, so etwas habe es in der Region noch nie gegeben, sagt Bürgermeister Michael Rama im Radio. „Es wird wohl niemand heute Nacht schlafen können.“ Gouverneur Edgardo Chatto organisiert Notunterkünfte für die, die nicht in ihre Häuser zurück können oder wollen. „Die vielen Nachbeben, wir gehen nicht zurück“, sagt Antonio Seismundo, ein Fahrer aus Lila. „Keine Panik, keine Sorge“, beschwichtigt der Gouverneur im Rundfunk immer wieder.


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