Verdächtiger in Moskauer Mordfall festgenommen

Nach dem Mord versammelten sich am Sonntag tausende Menschen in Birjulowo und forderten die Festnahme des Mörders sowie die Schließung des örtlichen Großmarkts

Moskau - Die russische Polizei hat am Dienstag den mutmaßlichen Mörder eines Mannes festgenommen, dessen Tod in Moskau rassistische Krawalle ausgelöst hatte. Der Tatverdächtige, ein gebürtiger Aserbaidschaner, sei direkt außerhalb von Moskau gefasst und zum Verhör an den Ermittlungsausschuss überstellt worden, sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur AFP. Später teilte der Polizeipressedienst mit, der Verdächtige habe „seine Schuld in inoffiziellen Gesprächen mit Polizisten gestanden“.

Wladimir Markin, der Sprecher des Ermittlungsausschusses - dieser entspricht in etwa der US-Bundespolizei FBI - erklärte, der Mann habe in den vergangenen zehn Jahren in Russland gelebt und als Taxifahrer gearbeitet. Es sei bekannt, dass er „aufbrausend, aggressiv und alkoholabhängig“ sei und in Moskau „keinen ständigen Aufenthaltsort“ habe.

Der 30-Jährige steht im Verdacht, am vergangenen Donnerstag einen 25-jährigen Russen vor den Augen von dessen Verlobter im Moskauer Stadtteil Birjulowo erstochen zu haben. Der Täter floh anschließend, wurde aber von Überwachungskameras gefilmt. Darauf war ein Mann zu sehen, der dem Anschein nach aus Zentralasien oder dem Kaukasus stammte.

Nach dem Mord versammelten sich am Sonntag tausende Menschen in Birjulowo und forderten die Festnahme des Mörders sowie die Schließung des örtlichen Großmarkts, auf dem vor allem Menschen aus dem Süden Russlands, den Kaukasusrepubliken und Zentralasien arbeiten.

Der Protest schlug in Gewalt um, zahlreiche Demonstranten randalierten auf dem Markt und in der Umgebung. Sie brüllten Parolen wie „Russland den Russen“ und demolierten ein Einkaufszentrum. Bei Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften wurden 23 Menschen verletzt. 380 Randalierer wurden vorübergehend festgenommen.

Nach den Krawallen ging die Polizei am Montag gegen die Arbeiter des Großmarktes vor. Rund 1200 Menschen wurden festgenommen. Es solle festgestellt werden, ob sie „in Verbrechen verwickelt seien“, erklärte die Polizei.

Am Dienstagabend gingen erneut hunderte Menschen auf die Straße, riefen nationalistische Parolen und warfen die Scheiben von Autos ein. Sie nannten ihr Vorgehen „unsere Antwort auf Kurban Bairam“ - das von etwa 100.000 Muslimen in Moskau gefeierte Opferfest. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben 276 Menschen fest, 30 Prozent davon Jugendliche. Viele von ihnen wurden später ihren Eltern übergeben. (APA/AFP)


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