„Das Skifahren ist immer noch meine Erfüllung“

Nicole Hosp über ihren Sölden-Verzicht, Schulterklopfer, das Älterwerden und die Wichtigkeit, seinen eigenen Weg zu finden.

Wenn der Ski-Weltcup nächstes Wochenende in Sölden startet, sind Sie eine der großen Abwesenden ...

Nicole Hosp: Momentan würde es mit meiner schlechten Startnummer keinen Sinn machen. Es ist zwar schade, weil ich immer dabei gewesen bin, wenn ich nicht krank war, aber es bringt nichts. Ich konzentriere mich lieber auf die Rennen danach. Zudem bin ich froh, dass es mir nach dem Pfeifferschen Drüsenfieber (Viruserkrankung, Anm.) im Sommer wieder gut geht.

Läuft es nicht, heißt es schon mal, „die Hosp“ sollte besser aufhören. Ärgern Sie solche Aussagen?

Hosp: Es trifft mich nicht mehr, weil ich nicht mehr höre, was andere reden. Viele drehen sich mit dem Wind und wenn du dann wieder Erfolg hast, stehen sie wieder da und klopfen dir auf die Schulter. Es ärgert mich aber zum Beispiel, wie zuletzt über den Benni (Raich, Anm.) gesprochen wurde, ihm das Aufhören nahegelegt wurde. Die Leute vergessen so schnell, dass er der erfolgreichste Athlet unseres Teams ist.

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War aufhören für Sie ein Thema?

Hosp: Ab und zu schon. Wenn man in einen Teufelskreis gerät und rein gar nichts mehr zusammenlaufen will, denkt man schon mal daran, alles hinzuschmeißen.

Ist das als Routinier, wenn die Unbekümmertheit fehlt, schwerer zu verkraften?

Hosp: Die jugendliche Leichtigkeit geht schon irgendwann verloren, wobei einem die Routine auch wieder hilfreich sein kann.

Wie schwer ist es, den Schlusspunkt zu finden?

Hosp: Ich weiß, dass ich nicht sagen kann, das wird meine letzte Saison. Ich glaube, dass ich genau spüren werde, wenn es Zeit zum Aufhören ist.

Und?

Hosp: Jetzt noch nicht. Das Skifahren macht mir irrsinnigen Spaß. Es ist meine Erfüllung. Das Einzige, was mir nicht fehlen würde, ist das ständige Kofferpacken.

Sie werden am 6. November 30 Jahre alt. Bleibt Zeit, um zurückzublicken?

Hosp: Ich bin wohl an meinem Geburtstag nicht daheim und Fest gibt es auch keines, außer jemand macht für mich eine Überraschungsparty. Das ist jetzt ein Wink mit dem Zaunpfahl (lacht). Mir wird jedoch immer bewusster, wie schnell die Zeit vergeht. Jetzt gehöre ich schon zu den Älteren, obwohl ich mich doch noch jung fühle – ganz ohne graue Strähnen.

Was lernt man erst mit den Jahren im Skizirkus?

Hosp: Dass man sich nicht so viel von anderen reinreden lassen darf, sondern seinen Weg finden muss. Dass man besser auf sich selbst hört und sich dabei nicht allzu sehr beeinflussen lässt. Zudem lernt man die Heimat erst zu schätzen, wenn man weg ist. Es ist so schön daheim.

Was steht noch auf Ihrem Karriereplan?

Hosp: Ich würde gerne noch eine Abfahrt gewinnen. Dann hätte ich in allen vier Disziplinen gesiegt. Das wäre die Krönung. Am ehesten klappt das vielleicht bei einer technisch anspruchsvollen, wie in Zauchensee. Und gegen Olympia-Gold hätte ich auch nichts. Aber das Leben ist ja kein Wunschkonzert.

Das Gespräch führte Sabine Hochschwarzer


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