Gesundheit

Die unbekannte Seite der Parkinson-Krankheit

MSA ist eine relativ unbekannte und meist tödliche Form von Parkinson. In Innsbruck wird nach einer Therapie geforscht.

Von Nicole Strozzi

Innsbruck –Es war zweifelsohne ein Schock für Schauspieler Michael J. Fox, als er 1991 die Diagnose Parkinson erhielt. Doch ans Aufgeben dachte der heute 52-Jährige nie. Er wolle kein Mitleid, wird der Star aus „Zurück in die Zukunft“ in Interviews niemals müde zu betonen. Sein größter Wunsch sei es, mit seiner Michael-J.-Fox-Stiftung ein Mittel gegen die Parkinson-Krankheit zu finden.

Das Parkinson-Zentrum der Universitätsklinik Innsbruck unter der Leitung von Werner Poewe ist eines der wenigen Zentren in Europa, die mit den Geldern von Fox forscht. Die Krankheit, zu deren typischen Symptomen das Zittern der Hände, steife Muskeln, starre Mimik sowie Sprach- und Bewegungsstörungen zählen, kann inzwischen recht gut medikamentös behandelt werden. Die Lebenserwartung ist – trotz eingeschränkter Lebensqualität im fortgeschrittenen Stadium – nicht wesentlich reduziert.

Nicht immer steckt allerdings eine Parkinson-Krankheit hinter den Symptomen. In zehn bis 15 Prozent der Fälle können andere Ursachen zum Parkinson-Syndrom führen. Dazu gehört auch die bislang noch unzureichend bekannte und erforschte Multisystem­atrophie (MSA). Das Europäische MSA-Netzwerk wurde 1999 in Innsbruck gegründet und wird von hier aus koordiniert. „In Tirol sind etwa 50 bis 80 Patienten an MSA erkrankt“, erklärt der Neurologe Gregor Wenning, der für den Schwerpunkt MSA zuständig ist. Im Vergleich dazu gibt es zirka 1000 bis 1200 Parkinson-Patienten.

„Bei MSA kommt es – im Unterschied zur Parkinson-Krankheit – sehr früh zu einer Störung im autonomen Nervensystem. Zusätzlich zu den klassischen Parkinson-Symptomen präsentieren sich MSA-Patienten daher mit Symptomen wie Harndrang, Inkontinenz, Erektionsstörungen, Blutdruckstürzen im Stehen bis hin zum Bewusstseinsverlust“, sagt Wenning.

Das Problem: Die Patienten sprechen meist nur unzureichend auf die klassische Dopaminersatz-Therapie an. Aus diesem Grund kommt es zu einem rascheren Krankheitsverlauf. Hinzu kommt eine große Sturz- und Verletzungsgefahr. Die Lebenserwartung der Patienten ist durch die mangelnde Therapie reduziert. Bisher wisse man allerdings noch nicht, wie es zu dieser Krankheit kommt. Man vermutet derzeit abnorme Eiweißablagerungen in verschiedenen Hirnarealen. „Was wir brauchen, ist ein besseres Verständnis für die Krankheitsentstehung“, betont Wenning. In Innsbruck ist man daher bemüht, nach effektiven Behandlungsmethoden zu suchen.

Für die Betreuung sei laut Wenning wichtig, dass man wisse, dass neben den Parkinson-Symptomen andere Symptome auftreten können. So könne man zumindest Harndrang oder Blutdruckstürze im Stehen medikamentös bessern. Es sei essenziell, dass die Krankheit als solches erkannt und nicht mit „normalem“ Parkinson verwechselt werde.

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