Belgiens „Rebellenprinz“ Laurent wird mit 50 weise

Jahrelang war Prinz Laurent für Skandale und Fehltritte gut. Nun übernimmt der jüngste Sohn des belgischen Ex-Königs Albert II. neue Aufgaben in der Königsfamilie - und erhält in der Öffentlichkeit Beifall.

Brüssel - Prinz Laurent im Altenheim, Prinz Laurent beim Genter Filmfestival, Prinz Laurent bei krebskranken Kindern im Tierpark - der jüngste Sohn von Belgiens Ex-König Albert II. ist neuerdings häufig bei öffentlichen Terminen zu sehen. Der Prinz, der am heutigen Samstag seinen 50. Geburtstag feiert, gibt sich dabei aufgeräumt und jovial. Er scherzt, geht auf die Menschen zu, oft begleitet von seiner Frau, Prinzessin Claire.

Der Thronwechsel im Juli und der damit verbundene Generationswechsel veränderte die belgische Monarchie. Es weht ein frischer Wind im Palast, es geht lockerer zu bei Königs.

Skandale rücken in den Hintergrund

Laurent vertritt seinen älteren Bruder, König Philippe (53), nun öfter bei öffentlichen Terminen. Die neue Rolle gefällt dem Prinzen sichtlich. „Dafür muss man dem König danken“, vertraute Claire unlängst der Zeitschrift „Le Soir Magazine“ an.

Die Skandale um Laurent sind zwar nicht vergessen, aber sie rücken angesichts des Wandels in etwas weitere Ferne. Wegen seines unkonventionellen Auftretens galt der hünenhafte Aristokrat mit den Markenzeichen Silberhaar und schwerer Brille lange als „schwarzes Schaf“ der belgischen Royals.

Auch vom „Rebellenprinz“ oder vom „Prince maudit - verfluchten Prinzen“ war die Rede. So musste er nach einer umstrittenen Reise in die frühere belgische Kolonie Kongo der Regierung 2011 schriftlich versprechen, vor Auslandsreisen mit politischen Terminen das Außenamt zu kontaktieren.

Im Umwelt- und Tierschutz engagiert

Richtig schlimm stand es um Laurent Ende des vergangenen Jahrzehnts, meinen Palastkenner. 2007 wurde ein früherer enger Vertrauter wegen Veruntreuung von millionenschweren Geldern der belgischen Marine verurteilt. 175 000 Euro davon waren für die Renovierung einer Villa des Prinzen geflossen. Laurent traf zwar keine Schuld, er musste aber vor Gericht als Zeuge aussagen und das Geld an die Marine zurückerstatten.

Seine Umweltvereinigung IRGT („Königliches Institut für die nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen und die Förderung der sauberen Technologien“) musste dann zwei Jahre später die Pforten schließen, da die belgischen Regionen kein Geld mehr zuschossen. Laurent führt aber weiter private Stiftungen, die dem Umwelt- und Tierschutz dienen.

Weisheit kam mit dem Alter

Der ausgebildete Marine-Offizier war auch sonst stets für Schlagzeilen gut. Er fuhr zu schnell Auto („Prinz Vollgas“), stürzte bei der Fürstenhochzeit 2011 in Monaco spektakulär auf dem roten Teppich oder wurde im vergangenen Frühjahr beim Skifahren verletzt. Frieden und Entspannung schien der dreifache Vater bis vor kurzem nur im Kreis der Familie zu finden. Jetzt scheint er doch noch weise zu werden. (Christian Böhmer arbeitet für die Deutsche Presse Agentur.)


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