Hermann Maier: „Weihnachten hat wieder einen Sinn“

Hermann Maier hat sich seit der Geburt seiner Zwillingsmädchen rar gemacht. Gestern tauchte er am Hintertuxer Gletscher auf. Nicht ohne Grund.

Von Max Ischia

Tux – Na ja, das mit der nach seinem Karriereende zurückgewonnenen Freiheit ist bei Hermann Maier so eine Sache. Spätestens seit dem 29. August geben zwei junge Damen den herminatorischen Lebenstakt vor: die elf Wochen alten Zwillinge Lieselotte und Valentine. Aber sonst? Macht Maier genau das, wonach ihm der Sinn steht. Gestern galt es, seine neue Wintersport-Kollektion mediengerecht zu präsentieren. Dafür hatte Sport Eybl 20 Journalisten ins Zillertal geladen, um mit Österreichs Ski-Ikone einen Gletscher-Tag zu verbringen.

Endlich hat Weihnachten wieder einen Sinn. Ich freue mich jetzt schon auf die Zeit, wenn die Kleinen diesen Zauber bewusst erleben können.
Hermann Maier

Die Botschaft des Tages: Wo Hermann Maier draufsteht, ist auch Hermann Maier drin. Von der Schnittzeichnung über die Material- und Farbauswahl, die Definition aller technischen Features bis hin zu den Härtetests auf der Piste – Maier wirkte da wie dort federführend mit. Bereitwillig erklärt er jedes Detail, spricht vom 4-Weg-Stretch-Gewebe, der 20.000-Millimeter-Wassersäule, spezialverschweißten Nähten und den Vorzügen des integrierten Brillenputztuches. „Im Notfall kann das auch für eine rinnende Nase herhalten.“ Auch bei seinen Ausführungen zum Einkaufsverhalten des weiblichen Geschlechts hat er die Lacher auf seiner Seite.

Privates soll privat bleiben

Maier wirkt entspannt, gelöst, redselig. Eine Offenheit, die aber auch Grenzen kennt. Dann, wenn jemand in seinen Privatbereich vorzudringen versucht. Ja, er verstehe es, wenn die Leute sich dafür interessieren würden, ob er täglich Windeln wechsle und wie er sich dabei anstelle. Aber nein, reden wolle er nicht darüber. „Familie soll Familie bleiben“, sagt einer, der es in Zeiten von sozialen Netzwerken und Handykameras irgendwie geschafft hat, dass noch kein Foto seiner Zwillinge an die Öffentlichkeit gelangt ist. Wie er das anstellt, beantwortet er nur lapidar: „Wir schauen halt, dass wir alles privat halten.“ Das eine Foto, welches Maier mit seiner Lebensgefährtin Carina Schneller an einem Bootssteg am Attersee zeigt, sei bereits eines zu viel gewesen.

Hermann Maier als Papa? „Ich glaube, dass Beste, was ich tun konnte, war, bis nach der Karriere zu warten“, versichert er und spricht vom „Zauberwort Zeit“. Zeit für die Familie zu haben. Wohl wissend, dass er aufgrund seiner verdienten Millionen auf einem sanften Ruhekissen gebettet ist. „Aber“, wirft der 40-Jährige ein, „es ist wichtig, die Zeit sinnvoll zu nützen.“ Und mit Blick auf den 24. Dezember meint er: „Endlich hat Weihnachten wieder einen Sinn. Ich freue mich jetzt schon auf die Zeit, wenn die Kleinen diesen Zauber bewusst erleben können.“

TT-ePaper testen und eine von 150 Jahres-Vignetten gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Das Perfektionistische, das Hermann Maier einst zum Herminator mutieren ließ und zu schier übermenschlichen Leistungen trieb, ist nicht mehr da. Zumindest nicht in dieser Ausprägung. Ein angenehmes Gefühl, wie er meint. Der Flachauer hat kein Problem mehr, sich Fehler einzugestehen. „Man soll auch Mensch sein“, sagt er, „und Mensch sein bedeutet auch, Fehler zuzulassen, sich Schwächen einzugestehen und damit normal umzugehen.“ Im Hochleistungssport sei das ungleich schwieriger. „Weil sehr viel auf dem Spiel steht. Insbesondere in der Abfahrt, wo Fehler dramatische Folgen haben können.“

Maier: „Mein Leben ist kontrollierbarer geworden“

Ob er sich in seiner nunmehrigen Haut wohler fühle als in jenen Heldentagen, als er ständig nach dem Höchsten gestrebt hatte? „Schwer zu sagen“, meint er nach einer kurzen Nachdenkpause und kratzt sich an seinem Bart. „Sagen wir so: Mein Leben ist kontrollierbarer geworden.“ Früher, als er von Erfolg zu Erfolg geeilt war und das Rampenlicht ständiger Begleiter war, hatte er viel Energie gelassen. „Ich wurde hin- und hergereicht, sollte zu allem etwas sagen, da verliert man schon einmal den Fokus.“

Die Kritik, die er während der Ski-WM in Schladming auf seinem Blog in Richtung Österreichischer Skiverband losgelassen hatte („Ich finde, dass es an der Zeit wäre, einmal das Umfeld, die Funktionäre und den Trainerstab eingehend zu hinterfragen“), ist verhallt. Maier nennt es Stillstand. „Ich habe seither nichts mehr gehört“, auch nicht von ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel, wie er auf Nachfrage bestätigt. „Anscheinend sind alle zufrieden und dann ist das ja gut so“, sagt er mit sarkastischem Unterton.

Was die Zukunft betrifft, hält sich Maier alle Türen offen. Auch was etwaige (TV-)Projekte angeht. Träume? „Die Dakar-Rallye würde mich reizen.“ Wie gesagt: Maier kann machen, wonach ihm der Sinn steht. Die Zustimmung seiner drei Damen einmal vorausgesetzt ...


Kommentieren


Schlagworte