Tirol ganz genau betrachtet
Kitzbühel ist der „älteste“ Bezirk Tirols, in Osttirol ist die Bevölkerungszahl rückläufig, Sistrans hat die höchste Akademikerquote Tirols. Ein interessanter Blick in die Registerzählung der Statistik Austria 2011.
Von Irene Rapp
Innsbruck – Tirol in Zahlen. Das klingt trocken, ist es aber nicht. Denn die druckfrische Analyse der Registerzählung der Statistik Austria (Stichtag 31.10.2011) liefert ein genaues Bild der Bewohner Tirols.
1) Demografie: In Innsbruck leben 16,9 % der Tiroler. Nur 12 % der Gesamtfläche Tirols sind jedoch besiedelbar. Die durchschnittliche Bevölkerung pro Quadratkilometer Dauersiedlungsraum beträgt daher 472. Damit ist Tirol nach Wien und Vorarlberg das am dichtesten besiedelte Bundesland.
2) Wie in anderen Bundesländern auch erkennt man in Tirol den Trend zu höherer Bildung. Vor allem der Anteil der Personen mit Tertiärabschluss (Studium u. Ä.) sowie der Abschlüsse in berufsbildenden mittleren und höheren Schulen ist gestiegen.
3) Erwerbstätigkeit: 3,1 Prozent der Erwerbstätigen in Tirol arbeiten in der Land- und Forstwirtschaft, 24,6 % im Produktionssektor Industrie und Gewerbe, 71,4 % in der Dienstleistungsbranche.
4) Pendeln: 1971 pendelten 30 Prozent der Erwerbstätigen aus ihrer Wohngemeinde aus. 2011 betrug dieser Wert 59,3 Prozent.
1) Stichwort Demografie: Tirols wächst. Seit der letzten Volkszählung (2001) ist die Einwohnerzahl um 5,3 Prozent gestiegen. Ende 2011 lebten in Tirol demnach 709.319 Menschen in 279 Gemeinden (Plus von 35.776). Fast 89 % der in Tirol lebenden Menschen haben die österreichische Staatsbürgerschaft. Mit über 11 % gehört Tirol zu den Bundesländern mit hohem Ausländeranteil. Die meisten Menschen, die für das Plus verantwortlich sind, siedelten sich im Großraum Innsbruck sowie im Unterland an.
In Osttirol ist die Bevölkerungszahl rückläufig (-2,1 %). Und im Außerfern wuchs die Bevölkerung zwar um 0,1 % (35 Personen), die Statistik spricht aber von einer Stagnation. Im Bundesländervergleich gehört Tirol zu den Ländern mit einer jüngeren Bevölkerung, das Durchschnittsalter (40,9 Jahre) liegt unter dem Bundesschnitt (41,8).
Der „älteste“ Bezirk ist Kitzbühel: Hier sind 18,2 % der Einwohner älter als 64 Jahre. Der Bezirk Imst ist der „jüngste“: Das Durchschnittsalter liegt bei 39,3 Jahren und hat mit dem höchsten Kinder- und niedrigsten Altenanteil zu tun.
2) Stichwort Bildung: Das Bildungsniveau ist deutlich gestiegen. Beispiel: Der Anteil von Universitäts- und vergleichbaren Abschlüssen bei Frauen hat sich von 0,8 % (1971) auf 9,8 % (2011) mehr als verzwölffacht. Auch nimmt der Anteil der Personen mit Pflichtschulausbildung deutlich ab. Der Großteil der Tiroler ab 15 Jahren hatte 2011 einen Lehrabschluss (32,9 %), 28,9 % einen Pflichtschul-, 10,1 % Hochschulabschluss.
3) Stichwort Erwerbstätigkeit: Mehr als die Hälfte der Tiroler (51,7 %) zählt zu den Erwerbspersonen (d. h. entweder erwerbstätig oder arbeitslos). Damit liegt man über dem Österreich-Schnitt (50,8 %). Schlechter schaut es aus, was die Erwerbstätigenquote der Frauen zwischen 29 und 55 Jahren betrifft: Die liegt durchgehend unter Österreichs Durchschnittswert. In Tirol sind etwa 15,7 % der Frauen und 28,3 % der Männer bereits mit 15 Jahren erwerbstätig.
4) Stichwort Pendeln: 59,3 % der Tiroler Erwerbstätigen sind Pendler, der Großteil von ihnen arbeitet allerdings im selben politischen Bezirk. Geschlecht und Alter beeinflussen das Pendeln: So verlassen etwa Männer häufiger ihre Wohngemeinde für die Erwerbstätigkeit als Frauen, ebenso mehr Jüngere als Ältere.
Registerzählung der Statistik Austria - Die Bezirke im Überblick
Bezirk Reutte
1
Im Bezirk Reutte leben mit 31.618 Personen die wenigsten Menschen Tirols (4,5% der Bevölkerung). Hier finden sich auch die einzigen vier Gemeinden Tirols mit weniger als 100 Bewohnern – und zwar Gramais (kleinste Gemeinde), Kaisers, Namlos und Hinterhornbach. Gramais hat den höchsten Anteil an Personen unter 15, Pfafflar den höchsten Anteil an Personen über 65 Jahren im Bezirk.
Bezirk Landeck
2
Der Bezirk Landeck zählt 43.591 Bewohner. Der Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung liegt im Bezirk bei nur 44,2 Prozent (niedrigster Wert in Tirol, bedingt durch einen hohen Fremdenverkehrsanteil und dadurch einen hohen Anteil an Arbeitslosen). Im Bezirk findet man die meisten Beamten Tirols. Die Gemeinde Stanz hat bezirksweit die meisten Akademiker: 12,5 Prozent der Bevölkerung weisen ein Studium u. Ä. auf.
Bezirk Imst
3
Der Bezirk Imst ist der „jüngste“ Tirols. Das Durchschnittsalter seiner 56.557 Bewohner beträgt 39,3 Jahre. Im Bezirk selbst ist Umhausen die Gemeinde mit dem höchsten Anteil an Personen unter 15 Jahren. Die meisten Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft leben in Sölden, den höchsten Anteil an Pendlern weist die Gemeinde Karrösten auf (86,4% der Erwerbstätigen pendeln).
Bezirk Innsbruck-Land
4
Innsbruck-Land: Im Bezirk Innsbruck-Land leben die meisten Menschen Tirols (166.762 Personen, das sind 23,5 Prozent der Tiroler). Unterperfuss ist tirolweit die Gemeinde mit dem höchsten Anteil an Personen im Pensionsalter (41,4%). Sistrans hat die höchste Akademikerquote Tirols (29,6% der Bewohner sind Akademiker). Und in Gschnitz befindet sich die Gemeinde mit dem tirolweit niedrigsten Anteil an Ein-Personen-Haushalten.
Bezirk Innsbruck-Stadt
5
Der Bezirk Innsbruck-Stadt zählt 119.617 Bewohner und hat nach dem Bezirk Kitzbühel die zweitälteste Bevölkerung Tirols. Die Landeshauptstadt verzeichnet den zweithöchsten Anteil an Einpersonenhaushalten in unserem Bundesland. Seit 2001 ist die Zahl der Einpersonenhaushalte in Tirol um 30 Prozent gestiegen (2011 insgesamt 111.500 in Tirol).
Bezirk Schwaz
6
In diesem Bezirk mit insgesamt 79.103 Bewohnern befindet sich die „jüngste“ Gemeinde Tirols – nämlich Rohrberg: Fast ein Viertel der Einwohner ist jünger als 15 Jahre, 9,6 Prozent der Bevölkerung befindet sich im Pensionsalter. Die „älteste“ Gemeinde des Bezirks ist Steinberg am Rofan: Hier sind 29,5 Prozent der 295 Bewohner älter als 65 Jahre. Den bezirksweit höchsten Anteil an Erwerbstätigen (15 bis 64 Jahre) weist die Gemeinde Tux auf.
Bezirk Kufstein
7
Die Stadt Kufstein (17.469 Einwohner) ist seit der letzten Volkszählung (2001) von allen Bezirkshauptstädten am stärksten gewachsen. Insgesamt leben im Bezirk 101.047 Menschen. Hier findet sich mit Rattenberg auch die Gemeinde mit dem höchsten Anteil an Single-Haushalten Tirols. Die kleinste Gemeinde ist Mariastein mit 318 Personen, dafür ist hier der Anteil an Personen unter 15 Jahren mit 20,4 Prozent der höchste im Bezirk.
Bezirk Kitzbühel
8
In diesem Bezirk leben 61.705 Menschen. Hier findet man die meisten Selbstständigen Tirols, was für den bedeutenden Anteil der Land- und Forstwirtschaft sowie des Tourismus spricht. „Jüngste“ Gemeinde des Bezirks ist St. Jakob in Haus (der Anteil der Personen unter 15 Jahren liegt bei 17,8 Prozent), „älteste“ Gemeinde ist Kitzbühel (Anteil der Personen über 65 Jahren liegt bei 23,8 Prozent).
Bezirk Lienz
9
Der Bezirk Lienz zählt 49.319 Bewohner. Die größte Gemeinde ist Lienz (11.761 Bewohner), die kleinste Untertilliach mit 249 Bewohnern. Osttirol ist der einzige Bezirk Tirols, der seit der letzten Volkszählung im Jahr 2001 mit einem Bevölkerungsrückgang konfrontiert war. Die Gemeinde mit dem bezirksweit niedrigsten Ausländeranteil ist Außervillgraten. Die Land- und Forstwirtschaft hat tirolweit im Bezirk Lienz die größte Bedeutung.
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