Musik

Oper „Mara“: Romantisches Werk wird in Innsbruck neu entdeckt

Außenansicht des Tiroler Landestheaters in Innsbruck (Archivbild).
© Robert Parigger

Josef Netzers Musikdrama wird nach rund 150 Jahren wieder aufgeführt. Die Premiere findet am 7. Dezember im Tiroler Landestheater statt.

Innsbruck – Mehr als 150 Jahre hat die Oper „Mara“ des Tiroler Komponisten Josef Netzer ein Schattendasein geführt, nun wird sie in Innsbruck wieder gespielt. Nachdem das Orchestermaterial in Zusammenarbeit mit dem Landesmuseum neu erstellt wurde, erlebt das Werk rund um unglückliche Liebe und Standesunterschiede am 7. Dezember im Tiroler Landestheater seine Premiere und damit Wiederentdeckung.

„Mara“ wurde am 16. März 1841 am Wiener Kärntnertortheater uraufgeführt, in den folgenden Jahren wurde das Werk an einigen Bühnen nachgespielt, doch dann verlor sich das Interesse an der romantischen Oper. Nun bringt das Tiroler Landestheater das Werk wieder auf die Bühne. „Es war eine gemeinsame Idee von Intendant Johannes Reitmeier und mir“, erklärte Franz Gratl, Leiter der Musiksammlung am Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, der maßgeblich an der Verwirklichung des Vorhabens beteiligt war. Das Museum verwaltet den Nachlass des aus Zams stammenden Komponisten, darunter auch die Originalpartitur von „Mara“. Es folgte eine Übertragung in moderne Notenschrift. „Die Quellenlage ist gut, wir haben sogar mehrere Partituren von verschiedenen Aufführungen“, erläuterte Gratl.

„Es ist die typische große deutsche Oper“

„Mara“ ist die Geschichte eines Mädchens aus dem fahrenden Volk, das zwischen einem Mann aus ihrem Umfeld und einem Großgrundbesitzer steht. Die Liebe scheitert an den Standesunterschieden, die Oper endet tragisch mit dem Tod der jungen Frau. „Es ist die typische große deutsche Oper, die Musiksprache hat viel mit Weber zu tun, auch mit Schubert, und die Dramatik erinnert an Verdi“, beschrieb Gratl das Werk, das ausgerechnet in Innsbruck bisher überhaupt nie gespielt worden ist. Er sei „ganz begeistert von der Qualität“, so der Musikexperte.

Das Museum hat etliche der rund 400 Werke Josef Netzers auf CD herausgebracht. Netzer schrieb außer „Mara“ noch weitere Opern, „Die Belagerung von Gothenburg“, „Die Eroberung von Granada“, „Die Königin von Kastillien“, „Die seltsame Hochzeit“ und „Stella, die Tochter des Schmugglers“, die teilweise nicht vollendet wurden oder auch verloren gegangen sind. Weiters verfasste er vier Symphonien, Streichquartette und zahlreiche Lieder. Franz Grillparzer hatte den Kontakt zwischen Josef Netzer und dem Tiroler Textdichter Otto Prechtler hergestellt, der zur Oper „Mara“ führen sollte. Es war Netzers dritte Oper, blieb aber mit Abstand seine erfolgreichste. Sie wurde unter anderem in Prag, in Mainz und zumindest in Auszügen auch in Graz aufgeführt. In der steirischen Landeshauptstadt verbrachte Netzer seine letzten zehn Lebensjahre, und dort ist er auch begraben. (APA)