Die nächste Stufe wird gezündet
Wenn es heute gegen die USA geht, will das ÖFB-Team jenen Höhenflug starten, der in der Landung bei der EM 2016 in Frankreich sein Ziel hat. Alles deutet auf ein Debüt des Tirolers Lukas „Hansi“ Hinterseer hin.
Von Hubert Winklbauer
Wien –Es schaut ganz so aus, als ob heute kurz nach 20.45 Uhr im Wiener Ernst-Happel-Stadion die ÖFB-Feldspieler Markus Suttner (Austria, 9 Länderspiele/0 Tore), Kevin Wimmer (1. FC Köln/GER, 0), György Garics (Bologna/ITA, 37/2), Sebastian Prödl (Werder Bremen/GER, 44/4), Manuel Ortlechner (Austria, 9/0), Andreas Ivanschitz (Levante/ESP, 65/12), Christoph Leitgeb (Red Bull Salzburg, 35/0), Philipp Zulechner (SV Grödig, 0) und Guido Burgstaller (Rapid Wien, 7/0) die harte Ersatzbank unter ihren Hintern verspüren (müssen).
Was heißt dies im Umkehrschluss? Dass der Tiroler Lukas Hinterseer real macht, wovon Tausende junge Burschen träumen. Es sieht gut aus, dass er sich ab dem heutigen Tag Teamspieler nennen darf. Ein Titel, den ihm keiner mehr nehmen kann.
Wie dieses Spiel dann verläuft, ist eine andere Sache. Es ist ein riesiger Karrieresprung, den sich der 22-Jährige, den im Nationalteam alle „Hansi“ nennen, in kurzer Zeit erkämpft, erspielt, erschossen hat.
Wenn er denn spielt – und Teamchef Marcel Koller, der traditionell alle Fragen nach der Aufstellung ausweichend beantwortet, hat dies gestern so gut wie bestätigt –, wird der Innsbrucker Lehrgeld zahlen müssen wie der um ein Jahr jüngere Salzburger Innenverteidiger Martin Hinteregger, der ebenfalls debütieren wird. Denn die Amis sind im internationalen Fußball schon lange nicht irgendwer. Sie gehen als Nr. 13 der Welt in diesen Test. Das weist sie als kontant starke Elf aus. Mit dem bekannten Siegeswillen, der so etwas wie Teil des Nationalcharakters ist.
Schon am 22. April 1998 bekamen die Österreicher diesen Charakterzug zu spüren. Unter Führungsspieler Andi Herzog und Teamchef Prohaska hatte da das ÖFB-Team die Teilnahme an der WM 1998 in Frankreich schon perfekt gemacht. Mit einem Sieg gegen die US-Boys, die ebenfalls für die WM qualifiziert waren, wollte man das Stimmungshoch prolongieren. Es kam anders. Die USA siegten 3:0, sorgten bei den Österreichern für Irritation.
Die USA sind bei der damaligen WM in Frankreich Gruppenletzter geworden (beim 0:2 gegen Deutschland schoss ihnen ihr jetziger Teamchef ein Tor). Österreich hat zumindest zwei Punkte (1:1 gegen Kamerun, 1:1 gegen Chile) gemacht. Auch zu wenig für den Aufstieg.
Aber das ist alles lang, lang her. Die USA sind 2014 in Brasilien. Wir nicht. Heute ist Andi Herzog Gegenspieler der Österreicher. Er, der vor David Alaba letzte große Auslandsösterreicher seit den Krankls und Prohaskas, könnte gut und gerne ÖFB-Teamchef sein, wenn, ja wenn es sich Marcel Koller anders überlegt hätte. Die über diese Personalien hinausreichende Präsenz des heutigen Tests im Ernst-Happel-Stadion ergibt sich aus dem Fakt, dass die Rotweißroten just hier und heute die zweite Leistungsstufe für einen Höhenflug mit der Landung Frankreich starten wollen. 2016 will das ÖFB-Team unter den auserwählten 24 bei der EM sein. Es will dabei von einer Welle begeisterter Fans getragen werden. Aber das geht nur mit längeren Phasen ohne Flops. Heute muss ein Sieg her, ein Remis geht noch, ein Flop aber ist verboten.
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