Innsbrucker Forscher untersuchten Erdatmosphäre anhand von Bernsteinen
Anhand von Pflanzenharzen wurde die Zusammensetzung der Atmosphäre der vergangenen 220 Millionen Jahre rekonstruiert. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass der Sauerstoffgehalt über weite Strecken niedriger war als bisher angenommen.
Innsbruck - Der Entwicklung der Erdatmosphäre hat sich ein internationales Forscherteam unter Innsbrucker Leitung gewidmet. Anhand von Pflanzenharzen wurde die Zusammensetzung der Erdatmosphäre der vergangenen 220 Millionen Jahre rekonstruiert. Unter anderem stellten die Wissenschafter dabei fest, dass der atmosphärische Sauerstoffgehalt über weite Strecken wesentlich niedriger war als bisher angenommen.
Gängige Theorien rund um die Entwicklung des Klimas und des Lebens wie etwa der Größenwuchs der Dinosaurier könnten dadurch infrage gestellt werden, hieß es in einer Aussendung der Universität Innsbruck am Montag. Das Forscherteam analysierte 538 Proben von Bernsteinen aus allen wichtigen Vorkommen weltweit, wobei die ältesten Proben etwa 220 Millionen Jahre alt waren und aus den Dolomiten stammten. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Geochimica et Cosmochimica Acta“ veröffentlicht.
Fossile Harze wie Bernsteine würden zu den wenigen Materialien zählen, die über geologisch lange Zeiträume hinweg zuverlässige Daten hinsichtlich der Erdgeschichte konservieren können, erklärt Ralf Tappert vom Institut für Mineralogie und Petrographie der Universität Innsbruck: „Gegenüber anderen organischen Materialien haben Bernsteine den großen Vorteil, dass sie chemisch und isotopisch nahezu unverändert erhalten bleiben“.
Sauerstoffgehalt niedriger als angenommen
Das Team verglich die viele Millionen Jahre alten Bernsteine zusätzlich mit einer großen Anzahl an modernen Harzen, um eine größere Datensicherheit zu erlangen, hieß es. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass der Sauerstoffgehalt während der vergangenen 220 Millionen Jahre deutlich unter den heutigen 21 Prozent lag. „Unsere Untersuchungen ergaben Werte zwischen 10 und 15 Prozent“, betonte Tappert.
Die Sauerstoffkonzentration sei somit nicht nur niedriger als heute, sondern auch wesentlich geringer als sie im Großteil anderer facheinschlägiger Untersuchungen für den angesprochenen Zeitraum bisher angegeben worden sei. Für die Kreidezeit (vor 65 bis 145 Millionen Jahren) war beispielsweise bisher Sauerstoffwerte von bis zu 30 Prozent angenommen worden.
Aufgrund der Erkenntnisse müssten jetzt einige gängige Theorien überdacht werden. Unter anderem die Theorie zum Gigantismus der Tiere. Bisher ging man davon aus, dass dieser dem angeblich hohen Sauerstoffgehalten der Erdatmosphäre geschuldet sei. „Der Einfluss des Sauerstoffes auf die Entwicklungsgeschichte des Lebens soll durch unsere Studie nicht geschmälert werden, aber der extreme Größenwuchs von Dinosauriern kann dadurch jedenfalls nicht erklärt werden“, argumentierte Tappert. (APA)
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