Die Nummer 13 der Welt – na und?
Vor dem Fußball-Länderspiel gegen die USA (morgen, 20.45 Uhr) kehrte die ÖFB-Elf mit dem Bewusstsein aus Spanien zurück, eine noch kompaktere Elf zu sein, als man es noch vor einer Woche war.
Von Hubert Winklbauer
Alicante – In der Theorie und der praktischen trainingsmäßigen Anwendung hat all das Neue, das Coach Marcel Koller einbrachte, um das Alte noch wirksamer zu machen, bestens funktioniert. Jetzt muss es nur noch klappen, wenn ein Gegner die Automatismen stört. Das wollen die USA versuchen. Es wird also ernst. Morgen (20.45 Uhr) ist der Anpfiff zum Kräftemessen mit den USA, die eigentlich keine Fußballnation, dafür aber an beachtlicher 13. Stelle des FIFA-Rankings der Nationalteams sind.
Die Österreicher? Die traten auch in der Ära Koller zumindest in dieser Weltrangliste ein wenig auf dem Stand. Wir sind die Nr. 53. Und müssten nach diesen Zahlenspielereien eigentlich chancenlos sein. Das ist unser Team aber nicht. Die Mannschaft selbst wähnt sich ohnehin besser, als gemutmaßt wird. Jetzt geht es darum, diese Klasse auch auf den Anzeigetafeln großer Stadien und wichtiger Tabellen sichtbar zu machen.
Es geht nicht nur ums Prestige
Morgen geht es nicht „nur“ ums Prestige. Es geht auch darum, dass eine Mannschaft, der alle Wünsche erfüllt worden sind, von dem vielen, das sie gekriegt hat, etwas zurückgibt. Es soll ein Sieg her. Die Spieler sind sich einig, dass die schwache Bilanz in den freundschaftlichen Länderspielen – 1:3 gegen die Elfenbeinküste, 0:2 gegen Wales, 0:2 gegen Griechenland – den Eindruck vermittelt, dass das Teamtrikot nicht immer zu größter Anstrengung animiert. Die wird aber heute nötig sein. Schließlich steht jetzt schon fest, dass sich die USA im Jahr 2013 über die höchste Siegquote in der Geschichte des Soccer-Nationalteams freuen dürfen. 16 Siege und jeweils drei Remis und Niederlagen haben den Rekord von 2005 (13-4-3) ausgelöscht. 16 Siege und jeweils drei Remis bzw. Niederlagen bedeuten nach US-Rechnung einen Wert von momentan 79,5 Prozent. Der vorherige Rekord aus den Jahren 2005 und 2012 (9-3-2) hatte bei 75 Prozent gelegen.
Unabhängig von dieser Bestmarke haben Teamchef Jürgen Klinsmann und sein Co-Trainer Andi Herzog auch das resultatmäßig enttäuschende 0:0 in Glasgow gegen Schottland in der Detailanalyse für gut befunden. Klinsmann: „Mit der ersten Halbzeit war ich nicht zufrieden, da waren wir zu langsam und nicht gefährlich genug. Im zweiten Durchgang hat mir gefallen, dass wir ein höheres Tempo gespielt und den Rhythmus gehalten haben, dass wir uns Chancen erarbeitet haben.“ Für den ÖFB hatte der Tiroler Fußballexperte Nick Neururer in Glasgow spioniert.
Viele Fragezeichen im ÖFB-Team
Wen Koller auf dem Rasenviereck die Bundeshymne singen lässt, steht noch nicht fest: Fragezeichen für die Startaufstellung gibt es auf der Position des rechten Außenverteidigers – Garics oder Klein? Der Legionär aus Bologna oder der Österreicher, der mit seinen Bullen eine starke Saison spielt?
Wird Prödl nicht fit, was wahrscheinlich ist, wird wohl eher der junge Martin Hinteregger (Red Bull) vor Manuel Ortlechner gereiht sein.
Der Mann in der Spitze wird Marc Janko heißen. Und das, obwohl ihm auch im südspanischen Camp seine mangelnde Spielpraxis bei Trabzonspor anzumerken war. Aber wer spielt dahinter, wer übernimmt den Part, auf den eigentlich Zlatko Junuzovic ein Abonnement hat?
Hinterseer, Ivanschitz oder doch Leitgeb?
Teamchef Koller betonte, dass die Partie gegen die Amis keine zum Experimentieren sei. Es spiele die aktuell beste Elf. Möglich, dass sich der junge FC-Wacker-Spieler Lukas „Hansi“ Hinterseer morgen zur Crème des rotweißroten Fußballs zählen darf. Aber Andi Ivanschitz hat „erworbene“ Rechte, spielt mit Levante gegen die Weltstars von Barca und Real Madrid. Und das nicht einmal schlecht. Und mit Christoph Leitgeb zeigt ein Bulle seit Wochen auf, dass er mehr als nur ein Team-Adabei sein will.
Das Tormanntraining unter Franz Wohlfahrt suggeriert, dass da drei auf nahezu gleichem Niveau am Werken waren. Aber warum sollte Koller den Cottbuser Robert Almer für Ramazan Özcan (Ingolstadt) oder Heinz Lindner (Austria Wien) opfern? Dragovic, Fuchs, Alaba, Kavlak, Harnik und Arnautovic scheinen gesetzt. Die Amis werden es mit einem ÖFB-Team zu tun bekommen, das Fußball zuletzt auch als Kopfsport betrieben hat. Wie schnell sich die neuen Ideen mit einem etwas veränderten Offensiv-Pressing bis zu den Beinen durchsprechen, wird man sehen.
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