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Biete Kohlkopf, brauche Kiwi

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Fünf Innsbrucker Studenten haben die Verschwendung von Lebensmitteln endgültig satt: Dank ihres Foodsharing-Projekts soll Essen künftig nicht mehr im Müll landen.

Von Kathrin Siller

Innsbruck –Die Zahlen sind alles andere als appetitlich: Jährlich landen in Österreich 157.000 Tonnen an verpackten und unverpackten Lebensmitteln sowie Speiseresten im Müll. Der geschätzte Wert: über eine Milliarde Euro. Jeder Haushalt schmeißt also pro Jahr 300 Euro in die Tonne. Laut einer Studie sind es besonders die Jungen, die mit Lebensmitteln nicht gerade zimperlich umgehen. Nur 29 Prozent der 15- bis 29-Jährigen gaben an, Lebensmittel nie wegzuwerfen. Bei den über 50-Jährigen sind es immerhin 60 Prozent.

Junge Menschen als Verschwender an den Pranger zu stellen, wäre aber grundverkehrt. Denn genau sie sind es, die mit innovativen Ideen gegen die Ressourcenvergeudung kämpfen. Das beste Beispiel ist eine Gruppe von fünf Innsbrucker Studenten. Sie haben vor einigen Wochen die erste Foodsharing-Community für Tirol ins Leben gerufen und erreichen mit dem Online-Teilen von Essbarem mittlerweile schon 2500 Menschen. Die Idee: Lebensmittel, die man selbst nicht mehr braucht, an andere zu verschenken, anstatt sie gedankenlos zu entsorgen.

„Angefangen hat alles mit einem Uniprojekt“, erzählt einer der Initiatoren Kai Sommer, der strategisches Management studiert. „Die Aufgabe war, über Facebook eine Bewegung zu starten.“ Während Foodsharing in deutschen Städten wie Berlin, Mainz oder Köln wie am Schnürchen funktioniert, steckt es in Österreich noch in den Kinderschuhen.

Sommer und seine Kollegen konnten mittlerweile einen Innsbrucker Bioladen als Kooperationspartner gewinnen. Das Geschäft tritt Waren, die kurz vor oder kurz nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum stehen, an die Community ab. Sommer und seine Kollegen holen zwei- bis dreimal wöchentlich die Lebensmittel vom Laden ab. „Die Waren gehen immer sofort weg“, freut sich Sommer, während sein Handy piepst und eine Foodsharerin um eine Info bittet. „Innerhalb einer Minute nach dem Posten eines Essenskorbes habe ich die erste Nachricht und innerhalb der ersten Stunde alles verteilt. Gerade gestern hat eine Lehrerin bei mir Zucchini und Joghurts abgeholt.“

Doch auch private Foodsharer sind mehr als willkommen. Wer auf Urlaub fährt und im Kühlschrank noch Gemüse, Milch oder Käse bunkert, wer für eine Party zu viel gekocht oder aufgetaut hat, der kann sein Essen einfach mit einem Foto posten und anderen mit den Schmankerln eine Freude machen. „Wir haben als Organisatoren eine Rechtsvereinbarung unterschrieben, die besagt, dass die Lebensmittelspender nicht für ihre Produkte haften. Das heißt, dass wir eben mehr kontrollieren müssen.“

Ohne Frage wird bei Food­sharing stark auf Eigenverantwortung gesetzt. „Es ist klar, dass ich keine Lebensmittel anbiete, die ich selber nicht mehr essen möchte. Allerdings: Die meisten Produkte können nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums ohne Weiteres verzehrt werden, auch wenn die Händler sie nicht mehr verkaufen dürfen.“

Ziel der Studenten ist es, eine kritische Masse aufzubauen, die die Gemeinschaft stützt. Irgendwann soll die Face­book-Gruppe an die Plattform http://at.myfoodsharing.org angebunden werden. „Toll wäre es, wenn sich noch mehr Geschäfte und auch Bäckereien an dem Projekt beteiligen“, wünscht sich der Lebensmittelretter. Sein Appell an Menschen, die sich für die Lebensmittelrettung starkmachen wollen: „Warum nicht mal mit Foodsharing was Neues ausprobieren. Ich tue etwas Gutes und lerne coole Leute kennen. Erst neulich war ich auf der Geburtstagsfeier eines neuen Mitglieds aus der Gruppe eingeladen.“