Volleyball

Abenteuer Minsk kostet 23.000 Euro

Die Volleyball-Damen der Turnerschaft Innsbruck starten morgen (20 Uhr, USI-Halle) in den Europacup.

Von Tobias Waidhofer

Innsbruck –Michael „Much“ Falkner ist ein Kämpfer vor dem Herrn. Einer, der auf die Barrikaden steigt, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt. Nicht umsonst trägt der Obmann von TI Meraner Volley in der Szene den Spitznamen „Volleyball-Andreas-Hofer“.

Vor dem Europacup-Vergleich seiner Damen mit dem weißrussischen Spitzenklub Minchanka Minsk (Hinspiel: morgen, 20 Uhr, USI-Halle) attackiert Falkner jetzt den Österreichischen Volleyball-Verband. Hauptgrund ist wie so oft das liebe Geld. „Das Abenteuer Minsk (Rückspiel auswärts, Anm.) kostet uns 23.000 Euro, vom Volleyball-Verband sehen wir aber keinen Cent“, schimpft Falkner. Dabei sei es der Verband, der den Verein zu den Europacup-Auftritten verpflichtet.

„Bei einem Verzicht zahlt man 10.000 Euro Strafe, kassiert einen Zwangsabstieg und darf drei Jahre nicht mehr in die erste Liga aufsteigen. So steht’s in der Ausschreibung“, erklärt Falkner, der auch Präsident Peter Kleinmann kritisiert. „Herr Kleinmann nimmt keine Rücksicht auf kleine Vereine. Ihm geht es nur darum, selbst gut dazustehen.“

Eine Attacke, die der Präsident des Österreichischen Volleyball-Verbands nicht unkommentiert stehen lassen will: „Als Präsident des Verbandes muss ich globaler denken. Wenn wir nicht mit den besten Mannschaften im Europacup spielen, verlieren wir Punkte und damit auch Europacupplätze“, erörtert Kleinmann. Es könne nicht sein, dass „der Tabellen-Achte international spielt, weil der Vierte keine Lust hat“. Einen Seitenhieb teilt er dann auch noch aus: „Wenn der Herr Falkner den Europacup als Nachteil sieht, hat er vielleicht die falsche Position inne.“

Bei einer Verbandssitzung im Dezember will Falkner das Thema noch einmal auf den Tisch bringen: „Als kleiner Verein bist du machtlos. Es ist ja auch nicht so, dass wir durch den Europacup neue Sponsoren bekommen.“ Zumindest Stadt und Land helfen der TI mit Subventionen von jeweils 5000 Euro aus.

Der Europacup-Stress für Falkner und Co. beschränkt sich aber nicht nur auf den Spieltag. Bereits heute reisen die Gäste aus Weißrussland an. Flug, Transport, Hotel – alles Dinge, die schon im Vorfeld vom Heimverein organisiert werden müssen. „Das schreibt der Europäische Volleyball-Verband (CEV, Anm.) vor.“ Sogar eine russische Dolmetscherin stellt der Verein. „Wir bereiten auch ein Rahmenprogramm für die Weißrussinnen vor. Bergisel-Stadion, Christkindlmarkt – sie sollen ja etwas von unserer Heimat sehen.“

Aus sportlicher Sicht wird für die Innsbruckerinnen wenig zu holen sein. „Unsere größte Spielerin Maria Szivos misst 1,85 Meter. Damit läge sie bei den Weißrussinnen auf Platz acht. Das sagt alles.“ Aber der David TI will den Goliath Minsk zumindest in Ansätzen ärgern. „Wir werden kämpfen. Außerdem ist’s für die Mädls eine tolle Erfahrung und Belohnung für die vergangene Saison.“ Für den Obmann selbst bleibt der Europacup hingegen eher Belastung als Freude.