Welttoilettentag

Öffentliche Sitzungen

Symbolbild.
© Andreas Rottensteiner / TT

Es sind Orte, über die niemand spricht. Die Geschäfte, die dort gemacht werden, interessieren keine Bank: Am Welttoilettentag haben wir Innsbrucks öffentliche Klos untersucht.

Von Miriam Hotter

Innsbruck – Eine Schraube hat er locker. Die andere verhakt sich so, dass er quietscht. Der Klorollenhalter in der öffentlichen Toilette im Olympischen Dorf am Inn ist rostig, schief und verbogen. Da will man erst gar nicht wissen, wie es in der Kloschüssel aussieht. Nur sehr zaghaft wandert der Blick in das Herz der weißen Cheramik-Toilette – und es sieht überraschend sauber aus. Glück gehabt.

Ganz ehrlich: Die Erwartungen an die öffentlichen Toiletten in Innsbruck sind gering. Zu schlecht sind die Erfahrungen mit den stillen Örtchen: dreckig, stinkig oder einfach nur eklig. Deshalb ist der Gang zur Toilette nicht immer eine Frage des „Müssens“, sondern auch des „Könnens“ – das ist höchstens mit 100 Schichten Klopapier auf der Brille möglich. Und selbst da wird jede Berührung mit dem WC vermieden.

Auch in den Rathausgalerien können sich die stillen Örtchen sehen lassen.
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Yassine Essaoud hingegen muss mit ihnen auf Tuchfühlung gehen. Der 29-Jährige ist für die Reinigung der öffentlichen Toiletten am Bahnhof zuständig und stößt dabei regelmäßig an seine Grenzen. „Es ist wirklich ekelhaft. Manchmal frage ich mich, ob die Leute nicht zielen können“, sagt er. Alle 20 Minuten putzt er die Toiletten im Damen- und Herren-WC. Und das sieht man auch: Die Klos sind nicht nur sauber, sondern riechen zudem frisch nach Zitrone.

Die „goldene Klobürste“ geht aber an die Toilette am Sparkassenplatz. Dort befinden sich die Klos in einem Zustand, in dem man sie auch in den eigenen vier Wänden vorfinden möchte. Die Sanitäranlagen sind blitzeblank, Seifenspender und Papierhalter prallgefüllt und die Einrichtung besticht durch modernes Design. Allerdings kostet jeder Toilettengang 50 Cent. Die zahlt man für die schon fast paradiesischen Verhältnisse aber gerne. Ganz ungestört ist man auf dem stillen Örtchen jedoch nicht: Mit dem Schild „Videoüberwachung“ fühlt man sich ein wenig beobachtet.

Richtig eklig wird es in der öffentlichen WC-Anlage am Bozner Platz. Jemand machte sich in der Damen-Toilette offenbar nicht die Mühe, sich für das große Geschäft hinzusetzen. Einige braune Spuren oberhalb der WC-Schüssel zeugen davon. Der Geruch fällt dementsprechend aus. Wie es in der Herrentoilette aussieht, bleibt an dieser Stelle offen. Doch die Geräusche, die aus dem Männerklo kommen, verheißen nichts Gutes. Eines ist jedoch auch von außen sichtbar: die blauen Leuchtstoffröhren, die Drogenmissbrauch in öffentlichen Toiletten verhindern sollen. Im blauen Licht können Drogenabhängige ihre Venen nämlich nicht ausfindig machen.

Beschmiert ist der Eingang zu den öffentlichen Toiletten im O-Dorf.
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Mit dem Problem hat auch Markus Lagger seine Erfahrungen gemacht. Der Sicherheitsbeauftragte kontrolliert regelmäßig die Toiletten in den Rathausgalerien und weiß, dass sich Drogenabhängige vor allem in der Nacht in öffentlichen Toiletten Spritzen setzen. „Die lassen dann ihr Besteck zurück und wir dürfen es wegräumen“, erzählt er. Nicht nur das: „Es ist unglaublich, wie dreckig manche Klos hinterlassen werden. Es ist mir nicht nur einmal passiert, dass ich gebrauchte Binden in der Damen-Toilette von den Wänden entfernen musste“, sagt Lagger. Kein Pipifax also.

Alle 30 Minuten würden die Toiletten in den Rathausgalerien gereinigt werden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Saubere WCs und Waschbecken, ein automatischer Duftspender sorgt für frischen Geruch.

Die Klos in der Markthalle sind sauber.
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Am Landestheater ist der Besuch der öffentlichen Toi­lette allerdings ein Griff ins Klo. Wer dort auf das WC gehen möchte, sollte sich zuerst einen Nasenclip besorgen. Der beißende Uringestank schlägt Toiletten-Gänger mit weißen Fahnen in die Flucht.

Durchatmen, schlucken und auf zu neuen Ufern. Ein öffentliches Klo fehlt noch auf der Liste, und dieses beweist, dass Innsbrucks öffentliche Toiletten besser als ihr Ruf sind: das WC im Stadtturm in der Altstadt. Hier müssen sich Druck-Geplagte am Schalter erst ein Ticket für 50 Cent kaufen, bevor sie sich auf den königlichen Thron setzen dürfen. Doch es lohnt sich.

Durch ein Drehkreuz gelangt man in einen großen, zweigeteilten Raum mit goldenen Türen und gewölbter Decke. Auf den ersten Blick weiß man, dass man hier mit ruhigem Gewissen herkommen kann, wenn einmal die Blase drückt. Alles ist sauber, Seife und Papierhandtücher gibt es in Hülle und Fülle. Wickeltische stehen sogar für Mamis und Papis zur Verfügung. Eine richtige „Toll-ette“.