Ausländische Aktivisten kommen überraschend auf Kaution frei
Die russische Justiz lässt erste ausländische Greenpeace-Aktivisten aus monatelanger Haft frei, aber unter Auflagen. Die Umweltschutzorganisation will die zwei Millionen Rubel pro Person so schnell wie möglich hinterlegen. Am Montag wurden bereits drei russische Besatzungsmitglieder der „Arctic Sunrise“ freigelassen.
St. Petersburg – Am Dienstag ging es in St. Petersburg plötzlich Schlag auf Schlag: Bei Anhörungen wurde insgesamt neun ausländischen Greenpeace-Aktivisten die Freilassung auf Kaution von den Richtern gewährt. Zwei Monate sitzen die insgesamt 30 Besatzungsmitglieder der „Arctic Sunrise“ mittlerweile in Untersuchungshaft. Die Brasilianerin Ana Paula Alminhana Maciel (31) war das erste nicht-russische Mitglied der 30-köpfigen Besatzung des Schiffs „Arctic Sunrise“, das gegen Auflagen freikomme, teilte Greenpeace am Dienstag mit. Auch der 49-jährige Neuseeländer David Hausmann kann das Gefängnis verlassen. Die Auflage für die beiden: Sie müssen innerhalb von vier Tagen das Geld für die Kaution aufbringen.
Wenig später gewährte ein Richter auch der Argentinierin Camila Speziale die Freilassung auf Kaution. Die 21-Jährige ist das jüngste Mitglied der „Arctic 30“. Der Kanadier Paul Ruzycki (48), der Pole Tomasz Dziemianczuk, der Italiener Christian D‘Alessandro (32), der Franzose Francesco Pisanu (38) und die Finnin Sini Saarela können demnächst das Gefängnis ebenfalls verlassen. Dies teilte Greenpeace über Twitter mit. Weitere Anhörungen waren am Dienstag noch im Gang.
Trotz der überraschenden Richtersprüche warnte Kumi Naidoo von Greenpeace vor zu viel Freude: „Wir wissen noch nicht, unter welchen Bedingungen unsere Freunde freigelassen werden, ob sie unter Hausarrest gestellt werden oder überhaupt raus dürfen. Was wir sicher wissen: Sie stehen weiterhin unter Anklage und könnten für Jahre ins Gefängnis gehen, wenn sie verurteilte werden – für ein Verbrechen, dass sie gar nicht begangen haben“, heißt es in einer Aussendung der Umweltorganisation. „Die Arctic 30 sind erst frei, wenn sie alle wieder zu Hause bei ihren Familien sind.“ Die Organisation wolle die Kaution von jeweils zwei Millionen Rubel (rund 45.000 Euro) so schnell wie möglich hinterlegen, sagte ein Sprecher.
Kaution für drei Russen am Montag
Bereits am Montag wurden drei russische Greenpeace-Aktivisten gegen Auflagen freigelassen. Wie ein Sprecher der Umweltorganisation sagte, entschied ein Gericht in St. Petersburg am späten Montagabend, das russische Besatzungsmitglied Andrej Allachwerdow gegen die Zahlung von zwei Millionen Rubel (45.500 Euro) auf freien Fuß zu setzen.
Allachwerdow arbeitete als Pressesprecher auf dem Eisbrecher „Arctic Sunrise“, der im September von der russischen Küstenwache aufgebracht worden war, nachdem Aktivisten versucht hatten, eine Bohrplattform des Energiekonzerns Gazprom zu besteigen. Mit der Protestaktion wollten sie auf die Gefahren der Ölförderung für die Umwelt in der Arktis aufmerksam machen.
U-Haft für Australier um drei Monate verlängert
Zuvor waren bereits eine Ärztin und ein Fotograf auf Kaution freigelassen worden. Ein anderes Gericht in St. Petersburg entschied jedoch, die Untersuchungshaft für den 59-jährigen Australier Colin Russell bis 24. Februar zu verlängern. Auch die Fälle der 26 anderen Besatzungsmitglieder sollen diese Woche geprüft werden. Die Anhörungen sollen am Dienstagvormittag fortgesetzt werden.
Betroffen sind insgesamt 28 Aktivisten und zwei Journalisten aus 18 Ländern. Sie waren zunächst in der Hafenstadt Murmansk inhaftiert, wurden vergangene Woche aber nach St. Petersburg verlegt. Ihnen soll wegen „Rowdytums“ der Prozess gemacht werden, offiziell wurde aber auch der Tatvorwurf der gemeinschaftlichen Piraterie noch nicht fallen gelassen. Rowdytum kann in Russland mit bis zu sieben Jahren, Piraterie mit bis zu 15 Jahren Haft geahndet werden.
Die Festnahme der Aktivisten führte international zu scharfen Protesten. Vor dem Internationalen Seegerichtshof in Hamburg läuft zudem ein Verfahren gegen Russland wegen der Kaperung der „Arctic Sunrise“, die unter niederländischer Flagge fährt. Die Niederlande ebenso wie Greenpeace halten die Aktion für illegal, da sich das Schiff in internationalen Gewässern befand. Russland ignoriert das Verfahren, in dem am Freitag ein Urteil erwartet wird. (tt.com, dpa, APA)