Landespolitik

Funktionäre stellen sich Sinnfrage

Kritisch, aber sachlich verlief die Herbstkonferenz des Bauernbundes in Reutte. Die Stimmung ist durchwachsen.

Reutte –Sie hat Tradition – die Herbstkonferenz des Bauernbundes im Bezirk. Und heuer standen gleich mehrere brisante Themen an. Neben dem Urteil des VfGH zum Überling bei den Gemeindegutsagrargemeinschaften, der Feststellung der Almflächen und der damit verbundenen Sanktionen standen auch die Ausgleichszahlungen im Mittelpunkt der Diskussion. „Fakt ist: Wir können die höchstrichterliche Entscheidung nicht beiseiteschieben. Aber viele Funktionäre sind entmutigt“, sagte LHStv. Josef Geisler in Reutte.

Kammerpräsident Josef Hechenberger berichtete zum aktuellen Stand in Sachen Almfläche: „Derzeit flattern den Almbauern 3,5 Mio. Euro an Sanktionen bzw. Rückforderungen ins Haus. Der Berufungsweg ist die einzige Möglichkeit. Alle politischen Lösungsversuche waren unzureichend.“

Dem stimmt auch der Bauernbundobmann des Bezirkes Reutte, Walter Hackl, zu: „Wir sind von der Politik enttäuscht. Minister Berlakovich hat immer wieder gesagt, es gebe keine Sanktionen. Er hat uns belogen.“ Hackl, der die Grundstimmung unter den Landwirten als „nicht gerade sehr euphorisch“ bezeichnet, hofft in der Agrarfrage auf eine „Lösung, die Blockaden ausschließt“. Es müsse ein Miteinander möglich sein.

„Natürlich stellt sich für viele Agrarfunktionäre die Sinnfrage. Sie arbeiten, tragen die Verantwortung, müssen aber alles, was übrig bleibt, an die Gemeinde abführen. Da werden schon Stimmen laut, dass dann gleich die Gemeinde alles machen soll.“ Der Außerferner Bauernbundchef, der die Diskussion „trotz der Missstimmung als sehr sachlich und qualitativ hochwertig“ bezeichnet, hofft, dass sowohl die Agrarfrage als auch jene der Almflächen rasch abgearbeitet werden. „Dann können wir uns wieder Dingen zuwenden, die für die Bauern existenzbedrohend sind. Denn sind die Ausgleichszahlungen nicht gesichert, dann wird sich in der bäuerlichen Struktur einiges tun.“ Er ziehe jedenfalls den Hut vor jedem jungen Menschen, der bereit ist, eine Landwirtschaft zu betreiben. (fasi)