Hängebrücke hat ersten leichten Durchhänger
Obwohl Gutachten noch fehlen, wurden die Stahlseile wegen des Zeitdrucks schon bestellt. BM Oberer bewundernd: „Wilde Hund’!“
Von Helmut Mittermayr
Reutte –Gutachter der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik werden in den nächsten Monaten die Verhältnisse rund um die geplante längste Fußgängerhängebrücke der Welt am Katzenberg oberhalb Reuttes genauer unter die Lupe nehmen. Meteorologen und andere Fachleute sollen klären, ob eine Gefährdung für die Benutzer der B179 vorliegt. Etwa, ob Schnee oder Eiszapfen aus großer Höhe auf Verkehrsteilnehmer herunterfallen könnten.
Mit dieser Entwicklung hatte von den Betreibern des Projekts „highline 179“ niemand mehr gerechnet. Gibt es doch bereits eine Stellungnahme des Straßenerhalters aus dem Jahr 2008, in der keinerlei besondere Prüfungsverfahren avisiert wurden und das Thema Sicherheit einfach dem Brückenbauer und -betreiber zugeordnet wurde.
„Alle sind von einer g’mähten Wiese ausgegangen. Jetzt kommt es anders“, sagt Reuttes Bürgermeister Alois Oberer, der seinen Gemeinderat umgehend über die aktuelle Entwicklung informierte. Die Rodungen hätten begonnen, die Grundbesitzer inzwischen zugestimmt und alle notwendigen Bescheide würden vorliegen. Bis eben auf einen – die Zustimmung durch die Landesstraßenbauverwaltung. „Und hier geht eine nicht wirklich einschätzbare Gefahr aus. Die vorgeschlagene Einhausung der Brücke reicht anscheinend nicht und eine völlige Einhausung der Straße ist nicht finanzierbar. Wie Gutachten ausgehen, weiß niemand“, merkt Oberer an. Er rechnet damit, dass trotzdem alles gut gehen wird. Der Hersteller habe inzwischen 28 Brücken gebaut. Noch nie sei etwas passiert.
Reuttes Marktchef bewundert in diesem Zusammenhang Stefan Lochbihler, den Geschäftsführer von „highline 179“. Die Produktion der Stahlseile, die 300.000 Euro kostet, benötigt einen Vorlauf von fünf Monaten. Wenn sie jetzt nicht in Auftrag gegeben worden wäre, würde sich alles um Monate verzögern. „Lochbihler hat einfach bestellt, obwohl der Sanktus des Straßenerhalters noch fehlt. Ein wilder Hund. Sollte es nicht klappen, hängt er sie sich in den Garten, hat er zu mir gesagt“, zieht Oberer den Hut.
Baubezirksamtsleiter Wolfgang Haas verteidigt die Vorgangsweise des Straßenerhalters: „Wir sind gesetzlich einfach verpflichtet, eine gefahrlose Benutzung der B179 sicherzustellen. Es mag schon sein, dass die Situation 2008 anders gesehen wurde. Aber es sind fünf Jahre vergangen. Die Landesbaudirektion und unsere Juristen haben dazugelernt. Immerhin fahren jährlich vier Millionen Fahrzeuge unter der Brücke durch.“ Haas macht geltend, dass etwa auf der Brücke ein Fotoapparat aus der Hand fallen könne. All diese Eventualitäten müssten geprüft werden. Er hofft persönlich aber wie BM Oberer, dass eine Genehmigung möglich ist.
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