Kunst

Zimmer ohne Frühstück

Alfredo Barsuglia lädt zum Übernachten im öffentlichen Raum.

Innsbruck –Das Schlafen zur Kunstaktion bzw. zum Kunsterlebnis zu erheben, ist als Idee nicht mehr ganz neu. Seit den performativen Nickerchen einer Marina Abramovic in den 1970er Jahren wurde das Recht auf Nachtruhe längst auch aufs Publikum ausgeweitet – so lud zuletzt etwa Carsten Höller zum Übernachten ins Museum und richtete u. a. im Hamburger Bahnhof in Berlin oder im Kunsthaus Bregenz „Hotelzimmer“ ein. Die Ausstellungshäuser verbuchten großen Andrang – eine Nacht im Kunsttempel verfügt offenbar über enorme Anziehungskraft.

Noch öffentlicher und außerdem mit sozialem Anstrich gibt sich das „Hotel Publik“ des Grazers Alfredo Barsuglia. Seit Montagabend steht die Mini-Herberge vor dem Ferdinandeum für Gäste offen, die Übernachtung ist kostenlos, das Raumangebot beengt, aber heimelig: Als Lektüre liegt etwa Jonas Jonassons „Hundertjähriger“ bereit, eine Heizung soll für wohlige Temperaturen, ein „Besetzt“-Schild für Ungestörtheit sorgen. Barsuglias Projekt wurde im Rahmen der Förderaktion Kunst im öffentlichen Raum des Landes ausgewählt – realisiert wird es in Kooperation mit dem Verein für Obdachlose, Emmaus und Fluchtpunkt. Allerdings, so Barsuglia, soll das „Hotel Publik“ nicht nur auf die Lage sozial benachteiligter Menschen aufmerksam machen. Sondern will mit offensiv zur Schau gestellter Privatheit etwa auch an Themen wie Überwachung rühren. Und es soll für jeden offen stehen: „Auch für Touristen oder den Ehemann, den seine Frau im Streit vor die Tür gesetzt hat.“ (jel)