Schlüsselrolle für Ärzte und Pfleger beim Erkennen von Gewaltopfern
In Österreich sind die Krankenanstalten gesetzlich verpflichtet, „Opferschutzgruppen für volljährige Betroffene häuslicher Gewalt einzurichten“, betonten Experten bei einer Pressekonferenz. Die Umsetzung erfolge aber bisher nur zögerlich.
Wien – Ärzte und Pfleger nehmen Schlüsselrollen ein, wenn es um das Erkennen von Gewaltopfern und deren Behandlung geht. Darauf machten Experten bei einer Pressekonferenz in Wien aufmerksam. Dabei geht es nicht nur um die medizinische Versorgung. Ebenso wichtig ist es, die erlittenen Verletzungen und Beschwerden gerichtstauglich zu dokumentieren und mögliche Spuren zu sichern.
In Österreich sind die Krankenanstalten gesetzlich verpflichtet, „Opferschutzgruppen für volljährige Betroffene häuslicher Gewalt einzurichten“, betonten die Experten. Zu deren Aufgaben zählen die Gewährleistung bestmöglicher Betreuung der Opfer, die Früherkennung von häuslicher Gewalt sowie die Sensibilisierung der medizinischen und pflegerischen Berufsgruppen für diese spezielle Thematik. Aber der Aufbau dieser Gruppen schreite bisher nur zögerlich voran.
„Auswirkungen von Gewalt finden in Anamnese, Diagnostik und Therapie noch immer zu wenig Beachtung“, erklärte die Gerichtsmedizinerin Andrea Berzlanovich von der Medizinischen Universität Wien. Dabei zeige eine aktuelle WHO-Studie (Global and regional estimates of violence against women: Prevalence and health effects of intimate partner violence and non-partner sexual violence; Anm.), dass Gewalt gegen Frauen eines der weltweit größten Gesundheitsrisiken darstellt.
Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser, ergänzte, dass zu den Aufgaben der Opferschutzgruppen auch „das Wissen über bestehende Opferschutzeinrichtungen, wie etwa Frauenhäuser und die österreichweite Frauenhelpline gegen Gewalt“ gehöre. Die kostenlose Telefonnummer 0800/222 555 bietet Hilfe rund um die Uhr. Rösslhumer: „Zu bestimmten Zeiten wird auch muttersprachliche Beratung in Arabisch, Bosnisch-Kroatisch-Serbisch, Rumänisch und Türkisch angeboten.“ (APA)