Pump und Jobverlust als Schuldenfalle
Arbeitslosigkeit und ungezügelter Konsum lassen private Schuldenberge entstehen. 3500 Tiroler Familien werden betreut.
Innsbruck –Jeder fünfte Österreicher hat Probleme, seine Rechnungen zu bezahlen. Das hat eine europaweite Umfrage ergeben. Demnach klemmt es in anderen Ländern bei den Finanzen noch viel mehr. Selbst in der wohlhabenden Schweiz kommen 25 Prozent der Bürger nicht mit dem Zahlen nach. Im krisengebeutelten Griechenland sind es gar 57 Prozent.
Zurück in Tirol, kann Thomas Pachl, der Leiter der hiesigen Schuldnerberatung, „die Umfragedaten gut nachvollziehen“. Mit seinem Team hat Pachl heuer 3500 überschuldete Tiroler Familien betreut und 600 Sanierungen in die Wege geleitet. „Der Bedarf ist aber sicher um 20 Prozent höher“, verweist Pachl auf die begrenzten Ressourcen seines Teams, das in Innsbruck, Imst und Wörgl vertreten ist. Zwei Monate betrage die Wartezeit auf einen Termin.
Pachl nennt übersteigerten Konsum als eine Hauptursache für Schulden. Es sei immer noch in, Konsumgüter wie ein Auto auf Pump (Kredit, Raten) zu finanzieren. Die Ansprüche seien unbegrenzt. „Viele fretten sich durch, stets knapp bei Kasse. Und die Eltern müssen aushelfen“, berichtet Pachl aus seinem Beratungsalltag. Lohnpfändungen seien keine Seltenheit.
Die wachsende Arbeitslosigkeit auch in Tirol kommt verschärfend dazu. „Viele unserer neuen Klienten haben heuer ihren Arbeitsplatz verloren“, sagt Pachl. Auch die Verweildauer in den Jobs werde kürzer, was die Finanzen nicht gerade stabilisiere.
Nächstes Jahr erhält die Schuldnerberatung vom Land Tirol einen um 50.000 Euro aufgestockten Zuschuss im Ausmaß von 780.000 Euro. Pachl würde gerne zwei Berater zusätzlich beschäftigen (derzeit sind es elf). Dafür wären aber weitere 100.000 Euro Förderung nötig. (mark)
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