Film und TV

Albträume nach dem Grillfest

Das Kino entdeckt die Familie: In Luc Bessons „Malavita“ bilden Mama, Papa, Sohn und Tochter eine Bande, Robert Thalheims „Eltern“ rettet das Familienband.

Von Peter Angerer

Innsbruck –Da gibt es diesen immer wiederkehrenden Albtraum. Bei einem Grillfest beobachtet Giovanni Manzoni (Robert De Niro) eine seltsame Geste. Bedeutet das Vorbeiziehen des Zeigefingers am Hals des Paten nun genug gegessen oder genug gelebt? Sicherheitshalber wendet sich der Gangster an das FBI und wird dafür samt Familie in das Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Als Versteck wird ein französisches Provinznest gewählt.

Während Giovanni nun als Frank Blake im zugewiesenen Eigenheim aufräumt und eine Schreibmaschine findet, die ihn zum Verfassen seiner Memoiren inspiriert, schlendert seine Frau Maggie (Michelle Pfeiffer) in den örtlichen Supermarkt, wo sie allerdings die geliebte Erdnussbutter vermisst. Diese sehr spezielle Nachfrage löst bei Personal und einheimischen Kunden eine Heiterkeit aus, die von der Amerikanerin, obwohl des Französischen nicht mächtig, als bösartig empfunden wird, weshalb Sekunden später der Laden in die Luft fliegt. Auch die Kinder Belle (Dianna Agron) und Warren (John D’Leo) leiden in der Schule unter einem latenten Antiamerikanismus. Aber es gibt weder sexuelle Gefälligkeiten von Belle noch Schutzgeld von Warren. Im Gegenteil, innerhalb weniger Tage funktioniert der Schulhof nach dem Muster von Little Italy. Dabei meinen es die Manzonis nur gut. Aus der Wasserleitung fließt eine braune Sauce, die von einem nahen Chemiewerk stammt. Giovanni schnappt sich den Unternehmer und bestraft ihn mit etwas antiquierten Foltermethoden für das Umweltverbrechen. Bevor die Dinge vollends eskalieren, schaltet sich der FBI-Agent Robert Stansfield (Tommy Lee Jones) ein, da sich zudem ein massives Killerkommando aus New York auf den Weg in die Normandie-Idylle gemacht hat.

Nach einigen Welterfolgen mit Filmen wie „Leon – Der Profi“ hat sich der Franzose Luc Besson von der Regie zurückgezogen und in den vergangenen Jahren nur noch als Produzent gearbeitet. Auch „Malavita – The Family“ offerierte er zuerst Martin Scorsese, der allerdings nur als Koproduzent mitmachen wollte, denn der Film ist schließlich eine Hommage an „Good Fellas“, eines von Scorseses Schlüsselwerken.

Robert De Niro und Tommy Lee Jones besuchen eine Vorstellung des lokalen Filmklubs, in dem Scorseses Meisterwerk über einen Mafiaaussteiger gezeigt wird. In der anschließenden Diskussion kann De Niro nur die Authentizität der Geschichte bestätigen. Beim folgenden Massaker versucht Besson den Meister zumindest an Gewalttätigkeit zu übertreffen. Die Glaubwürdigkeit der haarsträubenden Familiengeschichte hängt dabei von der Bereitschaft ab, die Ereignisse exakt auf das Jahr 1995 zu beziehen. Das erste Aufeinandertreffen von De Niro und Michelle Pfeiffer bietet jedoch himmlisches wie mörderisches Vergnügen.

Nach der Verunsicherung einsamer Menschen ist auch im deutschen Film die Familie wieder ein Rettungsanker. Der Übersicht wegen hat der Berliner Regisseur Robert Thalheim seine neue Komödie „Eltern“ mit den Wochentagen geordnet. Nach Jahren als Hausmann und „bester Vater der Welt“ möchte Konrad (Charly Hübner) am Montag mit einer Bearbeitung von Hebbels „Nibelungen“ sein Comeback als Regisseur beginnen. Davor muss noch Isabel (Clara Lago), das Au-pair-Mädchen aus Argentinien, vom Flughafen geholt werden, damit die beiden Mädchen versorgt sind, denn Christine (Christiane Paul) ist als Anästhesistin unabkömmlich. Am Dienstag entpuppt sich Isabel als schwanger und zusätzliche Belastung. Am Mittwoch zieht Konrad auf die Probebühne. Am Donnerstag kommt es zum Eklat in der Familie und im Theater. Am Freitag hat Konrad die rettende Idee, dass Kriemhilds Verrat von Siegfrieds verwundbarer Stelle eine Liebeserklärung an Hagen sein könnte. Auch das muss eine Familie aushalten. Nebenbei ist es angenehm, Charly Hübner bei der Arbeit zuzusehen.