Gesellschaft

Schwerer Anfang, gutes Leben

Helmut Kutin hat seine Lebensgeschichte erzählt. Entstanden ist daraus ein Roman.

Von Cornelia Ritzer

Wien –Helmut Kutin spricht ungern über sich selbst. Auch öffentliche Auftritte oder gesellschaftliche Events sind nicht das Seine. Viel lieber erzählt der SOS-Kinderdorf-Präsident von Kindern – denn um die geht es ihm. Nun hat der 72-Jährige bewusst eine Ausnahme gemacht und drei Wochen lang mit dem Journalisten Axel Halbhuber Gespräche geführt. Damit seine eng mit den Kinderdörfern verwobene Lebensgeschichte, seine Gedanken zur Gerechtigkeit und zur Lage der Kinder auch dann, wenn er mal nicht mehr da sei, nachzulesen sind.

Entstanden ist keine klassische Biographie, vielmehr ein Roman basierend auf Kutins Leben. „Wie aus einer zerstörten Kindheit ein gutes Leben wurde“ beginnt mit den Kinderjahren des 1941 Geborenen, dem tragischen Verlust seiner Schwester, seiner Mutter, und wie er mit zwölf Jahren von Südtirol ins erste SOS-Kinderdorf in Imst kam und dort eine Familie fand. Man erfährt, wie der legendäre Kinderdorf-Gründer Hermann Gmeiner sein Mentor wurde. Und wie Kutin dann als 26-Jähriger Kinderdörfer im Vietnamkrieg aufbaute, mit 45 weltweiter Präsident von SOS-Kinderdorf wurde und mit 71 schließlich die Führung des internationalen Dachverbandes an den Inder Siddharta Kaul übergab. Es sind die wichtigen Wegkreuzungen im Leben des studierten Volkswirtes, die mehr literarisch als streng chronologisch beleuchtet werden.

Dass er das Buch schreiben durfte, berichtete Halbhuber bei der Präsentation am Montag im Wiener Café Griensteidl, habe ihn überrascht. „Ich hätte nie gedacht, dass er mich seine Biographie schreiben lässt“, denn schon viele hätten beim Kinderdorf-Präsidenten angefragt – und seien abgeblitzt. Doch Kutin schöpfte das notwendige Vertrauen, ihm gefiel der Journalist, der sich als ehrenamtlicher Mitarbeiter in einer Wohngruppe von SOS-Kinderdorf engagierte. Und der Ausdauer zeigte. „Er war lästig genug, saß mir dauernd im Gnack und brachte mich zum Reden“, schmunzelte ein gut gelaunter Kutin vor den zahlreichen Besuchern.

Bei der Präsentation hielt der internationale Manager seine Biographie zum ersten Mal in den Händen. „Ich hab dir mein Leben erzählt, mach etwas daraus. Und schreib auch das Negative“, habe Kutin den Autor gebeten. Und sich danach nicht in den Entstehungsprozess eingemischt. Lesen will er sie in den Weihnachtsferien, wenn er in Laos ist. „Denn da bin ich weit weg und kann den Axel nicht anrufen, wenn ich etwas auszusetzen habe“, lachte der 72-Jährige fröhlich. Fast wie ein Kind.