Ägypten

Drei politische Lager demonstrieren in Kairo: mehrere Verletzte

Sicherheitskräfte in der Kairoer Mohammed-Mahmoud-Straße nahe dem Tahrir-Platz, wo vor zwei Jahren mehr als 40 Demonstranten starben.
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Ein Parlament gibt es in Ägypten im Moment nicht. Deshalb werden die politischen Meinungsverschiedenheiten vor allem auf der Straße ausgetragen. Die so genannte Revolutionsjugend steht dabei zwischen allen Stühlen.

Kairo – Drei Kundgebungen von Anhängern verschiedener politischer Lager haben in Kairo am Dienstag für Unruhe gesorgt. Am Rande des Tahrir-Platzes kam es nach Berichten von Augenzeugen zu Gewalt zwischen Anhängern der Militärführung und Angehörigen der revolutionären Jugendbewegung 6. April. Nachdem die Jung- Revolutionäre Slogans gegen die Armeeführung gerufen hatten, flogen Steine in beide Richtungen. Nach Angaben von Augenzeugen wurden zwölf Menschen verletzt. Auch ein Fahrzeug der Armee sei vor dem Ägyptischen Museum attackiert worden.

Die sogenannten Revolutionsgruppen erinnerten am Dienstag an den Tod von mehr als 40 Demonstranten in der Kairoer Mohammed-Mahmoud-Straße vor zwei Jahren. Die rund 3000 Aktivisten forderten die Verurteilung der Täter von damals. Die Demonstranten waren im November 2011 während der Herrschaft des Militärrates von den Sicherheitskräften getötet worden.

Auf dem nahe gelegenen Tahrir-Platz, auf dem 2011 die Proteste gegen Präsident Hosni Mubarak begonnen hatten, feierten am Vormittag rund 2000 Menschen den 59. Geburtstag des Militärchefs Abdel Fattah al-Sisi. Der Militärchef wird von einem Teil der Bevölkerung als „Retter“ verehrt, weil er im vergangenen Juli den demokratisch gewählten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi abgesetzt hatte.

Tränengas gegen Demonstranten

Bei einer dritten Kundgebung von Studenten aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft setzten die Sicherheitskräfte nach Angaben von Augenzeugen Tränengas ein. Die Studenten der Kairoer Universitäten Ain Schams und Al-Azhar riefen Slogans gegen Militär und Polizei. Die Einsatzkräfte hinderten sie daran, zum Verteidigungsministerium vorzudringen.

Seit dem Sturz von Mursi ist fast die komplette Führungsriege der Muslimbruderschaft inhaftiert worden. Das Militär hatte im Juli eine Übergangsregierung eingesetzt, die Neuwahlen vorbereiten soll. Die erste Hürde auf dem Weg hin zu einer neuen demokratisch legitimierten Führung soll eine neue Verfassung sein, über die demnächst in einem Referendum abgestimmt werden soll. (dpa)