Verwüstung, Not und Leid auch abseits des Horrors von Tacloban
Auch in anderen Regionen der Philippinen leiden Menschen unter den Folgen des Super-Taifuns. Auf Panay stehen viele Menschen vor dem Nichts. Ihnen wurde das Dach über den Kopf weggerissen und die Lebensgrundlage geraubt.
Von Jan Hetfleisch
Bugasong/Philippinen – Antique ist eine der ärmsten Provinzen der Philippinen. Auf der Insel Panay, im Westen der Philippinen gelegen, liegt diese Provinz abseits der Touristenströme der nördlicher gelegenen Provinz Aklan mit der bekannten Trauminsel Boracay.
Am 8. November fiel in diesen ansonsten eher beschaulichen Landstrich der Jahrhundertsturm Haiyan ein und zog tiefe Spuren der Verwüstung. „Zum Glück gibt es hier nur wenige Tote zu beklagen. Aber auch hier stehen die Menschen vor dem Nichts“, erzählt TT-Reporter Jan Hetfleisch von seinen ersten Eindrücken. Vor wenigen Tagen besuchte er die am heftigsten getroffene Inselhauptstadt Tacloban auf Leyte, um dann auf die westlich gelegene Insel zu reisen, um sich auch dort ein Bild von der Zerstörung zu machen.
Haiyan, der auf den Philippinen Yolanda genannt wird, bewegte sich stundenlang über die Insel. Zurück blieben dem Erdboden gleich gemachte Landstriche. Alles was sich dem Taifun in den Weg stellte, vernichtete dieser auch hier mit unvorstellbarer Kraft.
„Es war seltsam. Noch am Vormittag hat die Sonne gescheint. Gegen ein Uhr Nachmittags verdunkelte sich der Himmel und dann setzte ein gewaltiger Wind ein“, schildert Crisantos (33) den Tag, an dem der Sturm losbrach. So schnell wie Haiyan gekommen war, so schnell war zog er auch wieder ab. „Nach fünf Stunden war der Spuk vorbei und die Sonne kam wieder hervor. Erst da konnte man das Ausmaß der Zerstörung sehen“, schildert Crisantos.
Auf dem Weg von der Provinzhauptstadt in den Norden sind Krisenteams auch elf Tage nach dem Sturm mit der Beseitigung der zu hunderten umgestürzten Bäume beschäftigt. Da sich derzeit die Hilfsanstrengungen auf die Insel Leyte konzentrieren, kommen die Hilfskräfte hier um einiges langsamer voran.
Besonders deutlich wird das Ausmaß der Zerstörung in einem Barangaya (Ortsteil) von Barbaza, einem Ort, der rund 70 Kilometer nördlich der Provinzhauptstadt San Jose liegt. Dort haben gerade einmal elf Häuser den Sturm unbeschadet überstanden. 176 Häuser sind zum Großteil schwer beschädigt, unbewohnbar oder komplett zerstört. „Wir benötigen Hauptsächlich Baumaterial und Werkzeug“, schildern Bewohner des Ortes ihre Situation nach dem Sturm.
Lebensgrundlage verloren
Und so geht es vielen Menschen auf der Insel. Hunger, der auf Leyte ein großes Problem ist, nachdem dort der Sturm beinahe die gesamte Infrastruktur in der Hauptstadt Tacloban ausradiert hat, herrscht auf Panay weniger. In Culasi, einer Hafenstadt weiter im Norden, wurde ein großes Verteildepot für Reis eingerichtet. Tausende Rationen wurden bereits verteilt. Außerdem helfen lokale Geschäftsleute mit Care-Paketen aus. Und sauberes Trinkwasser steht den meisten Menschen auch zur Verfügung.
Den Menschen in dieser Provinz fehlt nach dem Sturm vor allem ein Dach über dem Kopf bzw. Mittel, um für den eigenen Lebensunterhalt zu sorgen.
Gerade ärmere Familien sicherten sich einen Teil ihres Lebensunterhaltes mit dem Verkauf von Zigaretten, Knabbergebäck und Getränken, welche sie am Straßenrand in kleinen Hütten angeboten haben. „Doch auf einer Strecke von rund 150 Kilometern steht keine einzige dieser Hütten mehr“, berichtet Hetfleisch. Die Familien stünden vor dem Nichts.
Und auch den Fischern der Region gehen an diesem Küstenabschnitt dieser Tage sprichwörtlich die Fische durchs Netz. Denn entweder wurden die kleinen Ausleger-Boote zerstört oder die Netze von herumwirbelnden Gegenständen durchschlagen, so dass sie unbrauchbar geworden sind. Hunderte Fischer-Familien, die ohnehin zu den ärmsten der Region gehören, haben im Sturm ihre Lebensgrundlage verloren.
600.000 Hilfsbedürftige immer noch nicht erreicht
Eineinhalb Wochen nach dem Taifun „Haiyan“ auf den Philippinen haben die Helfer der Vereinten Nationen noch immer keinen Zugang zu rund 600.000 Hilfsbedürftigen. Zwar seien bereits rund 1,9 Millionen Menschen unter anderem mit Reis und Energiekeksen versorgt worden, sagte die Generaldirektorin des Welternährungsprogramms (WFP), Ertharin Cousin, am Dienstag in Manila. „Es gibt aber eine große Zahl von Menschen, die wir noch nicht erreicht haben.“
Nach WFP-Schätzungen sind seit „Haiyan“ rund 2,5 Millionen Menschen auf den Philippinen auf Hilfe von außen angewiesen. Diese Zahl sei „sehr konservativ“ geschätzt, betonte Cousin. Möglicherweise bräuchten noch mehr Menschen Unterstützung.
„Haiyan“ hatte am 8. November eine Schneise der Verwüstung auf den Philippinen hinterlassen. Von den Auswirkungen sind laut UNO etwa 13 Millionen Menschen betroffen, wobei drei Millionen durch den Sturm zur Flucht gezwungen wurden. Nach jüngsten Behördenangaben kamen 4000 Menschen ums Leben, 1600 weitere gelten noch als vermisst.
Der Wiederaufbau wird nach Einschätzung der Regierung bis zu umgerechnet 5,8 Milliarden Dollar kosten. Er wäre nicht überrascht, wenn am Ende diese Summe anfalle, sagte der für wirtschaftliche Entwicklung zuständige Staatssekretär Arsenio Balisacan. Womöglich müsse der Inselstaat dafür Kredite aufnehmen.
Spenden für die Opfer des Taifuns
Spendenkonto Philippinen-Hilfe:
www.philippinen-Hilfe.at Hilfe für Notleidende in der Provinz Antique
Tiroler Sparkasse
Empfängername: philippinen-hilfe.at
Kontonummer: 3301432930
BLZ: 20503
IBAN: AT242050303301432930
BIC: SPIHAT22XXX
Kunstmarkt für die Philippinen-Hilfe:
Am Freitag, 22. November ab 15 Uhr und am Samstag 23. November ganztags in den Rathausgalerien Innsbruck vor dem Hotel Penz findet ein Markt für Tiroler Handwerkskunst statt. 100 Prozent der Einnahmen gehen an philippinen-hilfe.at.
Caritas-Spendenkonten: Kennwort: Katastrophenfonds
PSK
Kto.nr.: 7.700.004
BLZ 60.000
IBAN: AT92 6000 0000 0770 0004
BIC: OPSKATWW
Erste Bank
Kto.nr.: 012.34560
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BIC: GIBAATWWXXX