Gesundheit

Wenn die Mieze zur Gefahr wird

Wer gegen Katzen, Hunde oder Vögel allergisch reagiert, steht vor einem Dilemma: Denn selbst wenn es Medikamente und Therapien gibt, führt an der Trennung vom Haustier oft nichts vorbei.

Von Kathrin Siller

Innsbruck –Was gibt es Beruhigenderes, als nach einem hektischen Arbeitstag das geliebte Haustier zu streicheln? Für 44 Prozent der Österreicher sind Hund und Co. einer Studie zufolge die Quelle des Glücks. Umso schlimmer ist es, wenn der Mensch plötzlich merkt: Mein Körper rebelliert gegen das liebe Vieh. Fünf bis acht Prozent der Bevölkerung leiden an einer Tierhaarallergie und reagieren mit brennenden, geröteten Augen, einer verstopften, rinnenden Nase, Niesreiz, juckender Haut oder Atemnot.

Am riskantesten sind Tiere mit Fell oder Federn. Katzenhaarallergien sind am häufigsten, da die Miezen eben die beliebtesten Haustiere sind. Wer gegen ein Tier allergisch ist, ist es meist auch gegen andere (z. B. Hund – Hase).

Wie bei anderen Allergien auch, ist das Allergen an sich harmlos, wird aber vom menschlichen Immunsystem als Gefahr bewertet. „Bei den Katzen sitzt dieser Stoff im Speichel und in den Fettzellen der Haut. Es handelt sich um Eiweiße, die unter anderem mit der Infektabwehr zu tun haben“, erklärt Norbert Reider, Leiter der Allergieambulanz an der Hautklinik Innsbruck. Das Fell der Tiere ist also der Allergen-Träger: Die Haare sind von der Fettschicht überzogen und beim Abschlecken verteilen die Vierbeiner zusätzlich Speichel im Fell. Die Haare werden schließlich vom Menschen inhaliert. Die Katze vor dem Besuch eines Allergikers aus dem Wohnzimmer zu verbannen, ist sinnlos. Die Haare liegen schlichtweg überall. „Zum Beispiel ist die Katzenhaarkonzentration in Schulklassen ähnlich hoch wie in Katzenhaushalten, wenn Kinder aus Katzenhaushalten vorhanden sind“, verweist der Mediziner auf eine Studie.

Männliche und ältere Katzen haben mehr Allergene als weibliche und junge. Am wenigsten allergen sind Nacktkatzen. In den USA wurde sogar eine Rasse gezüchtet, der das für die Allergie hauptverantwortliche Eiweiß fehlt. Kostenpunkt: 1500 Euro. Beim Hund ist das Fell selbst das Allergen. Deshalb sind Kurzhaarrassen, die kaum Haare verlieren, weniger riskant.

Haustierallergien fallen wie jene gegen Pollen oder Hausstaubmilben in die Gruppe der Inhalationsallergien. „Sie zählen zusammen mit der Neurodermitis zu den atopischen Erkrankungen“, erklärt Reider. Und dafür gibt es eine genetisch bedingte Neigung. „Leidet ein Elternteil an einer atopischen Erkrankung, haben die Kinder ein 30-prozentiges Risiko, ebenfalls eine solche auszubilden. Leiden beide Elternteile daran, steigt das Risiko auf 60 Prozent.“

Am häufigsten tritt eine Überempfindlichkeit im Alter zwischen sechs und 20 Jahren und in den ersten Monaten nach der Anschaffung des Haustieres auf, ist aber grundsätzlich in jedem Alter möglich. In Familien, die genetisch bedingt zu atopischen Erkrankungen neigen, kann es vorkommen, dass bei den Kindern im Säuglingsalter eine Neurodermitis auftritt, sich dann zurückbildet und schließlich die Inhalationsallergie dazukommt.

Was also tun, wenn man feststellen muss, dass der Liebling die Gesundheit gefährdet? „Am ehesten lässt sich das Allergen vermeiden, auch wenn die Trennung vom Haustier schmerzlich ist“, so Reider. Antihistaminika, die man z. B. vor einem Besuch bei Katzenbesitzern nehmen kann, können kurzfristig helfen. Eine Dauerlösung sind sie aber nicht.

„Eine Alternative bietet die Hyposensibilisierung, bei der über zwei bis drei Jahre steigende Mengen des problematischen Eiweißes entweder über Spritzen oder Tropfen zugeführt werden“, so Reider. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten. Allerdings ist die Therapie bei Tierhaarallergien nicht besonders erfolgversprechend: „Bei der Hyposensibilisierung im Falle einer Bienen- oder Wespenallergie gelten nach der Behandlung 90 bis 95 Prozent der Patienten als geheilt, bei einer Pollenallergie sind es 85 Prozent, bei einer Haustierallergie eben nur 60 Prozent.“ In vielen Fällen ist die Trennung von dem Haustier die einzige, wenn auch traurige Lösung.