Ex-Dorfchef ignorierte Baunormen
Innsbruck – Dass Rechtsbruch für Dorfchefs kein Kavaliersdelikt ist, zeigt ein gestriger Prozess wegen Amtsmissbrauchs. Angeklagt war ein 20...
Innsbruck –Dass Rechtsbruch für Dorfchefs kein Kavaliersdelikt ist, zeigt ein gestriger Prozess wegen Amtsmissbrauchs. Angeklagt war ein 2008 ausgeschiedener Unterländer Bürgermeister und dessen Bausachverständiger.
Laut Staatsanwalt und Ex-Telekom-Ankläger Hannes Wandl hatte das Duo die dreiseitige Verschalung eines Carports direkt an der Grundstücksgrenze erlaubt, obwohl so ein Vorhaben das Aussehen des Objekts gravierend verändert und somit vom Grundstücksnachbarn nicht nur zu bewilligen wäre, sondern auch einer Bauverhandlung bedurft hätte.
Speziell der Sachverständige ging vor Richter Andreas Mair in Gegenwehr: Wäre ein Carport doch kein Gebäude und das Anbringen von Schalenwänden keinesfalls als Umbau zu werten. Als er mit einem Wiener Fall auf den Verwaltungsgerichtshof verwies, fragte Ankläger Wandl nur noch, ob er nicht wisse, dass es in Österreich neun verschiedene Bauordnungen gebe. Auch Formulierungen, dass die Nachbarn dem Anschein nach zugestimmt hätten, machten Richter Mair stutzig. Dieser verhängte über beide nicht rechtskräftig sieben Monate Haft, aufgeteilt in je drei bedingte Monate und 7200 sowie 9600 Euro (Sachverständiger) Geldstrafe. (fell)