WM 2014

„Von einem anderen Planeten“: Portugal feiert Superman Ronaldo

Portugal feiert Volksidol Cristiano Ronaldo. Der Stürmer sicherte seinem Land mit einem Dreierpack die vierte WM-Teilnahme in Folge. In Frankreich ist das Land von seiner Nationalelf ebenfalls entzückt.

Ronaldo bescheiden, Ibrahimovic will nicht WM schauen

Lissabon - Nach seiner Drei-Tore-Gala im Wettschießen der Fußball-Diven verzichtete Portugals Superstar Cristiano Ronaldo sogar auf große Töne. Eine übermäßige Selbstinszenierung war nach der erfolgreichen WM-Qualifikation nicht mehr nötig. Völlig berauscht lagen Fans und Medien dem Angreifer von Real Madrid zu Füßen. „Cristiano, wir lieben dich“, skandierten Anhänger auf dem Lissaboner Platz Marques de Pombal weit nach Mitternacht, noch immer völlig verzückt vom 3:2-Sieg in Schweden und der vierten WM-Teilnahme in Folge. „Ronaldo Superheld“, titelte am Mittwoch die Zeitung „Público“. Das Sportblatt „Record“ erhob ihn zum „Superman“, laut Zeitung „I“ seien immer mehr Portugiesen dafür, das Land in „Portunaldo“ umzutaufen. Da passt es, dass sich der Kicker gerade auf Madeira ein eigenes Museum baut.

„Ich habe nur meine Arbeit getan“, kommentierte Cristiano Ronaldo bescheiden. Von wegen eitler Schönwetter-Fußballer mit Frisurenspleen. Der 28-jährige kann auch entscheidende Spiele - und gewann nebenbei noch das faszinierende Duell gegen Schwedens Enfant Terrible Zlatan Ibrahimovic. Nach einer torlosen ersten Halbzeit drehte Ronaldo im Stockholmer Vorort Solna wie entfesselt auf. In der 50. Minute schloss er einen Konter mit links eiskalt ab, den beiden Treffern von Ibrahimovic (68./72.) ließ Ronaldo seinerseits wieder zwei Tore folgen (77./79.). „Ronaldo ist von einem anderen Planeten“, staunte sein Sturmpartner, der frühere Werder-Profi Hugo Almeida. Bereits im Hinspiel hatte der Global Player von Real Madrid per Flugkopfball den einzigen Treffer erzielt.

In punkto Selbstbewusstsein steht ihm Ibrahimovic in nichts nach - auch wenn er bei der WM zum Nichtstun verdammt ist. „Eine Sache ist klar: Eine WM ohne mich, die ist es nicht wert, dass man sie sich anguckt“, giftete Ibrahimovic nach dem Quali-Aus in seiner eigenen App „Zlatan Unplugged“. Er wolle aber weiter im Nationalteam spielen, verriet der Stürmer von Paris Saint-Germain, denn er sei ein „stolzer Kapitän“.

Frankreich will gestärkt aus Aufstiegskrimi hervorgehen

Kollektives Aufatmen in Frankreich - die „Equipe Tricolore“ fährt doch noch zur Fußball-WM nach Brasilien. Die Erleichterung war nach dem 3:0-Sieg am Dienstagabend gegen die Ukraine nicht zu übersehen. Die mentale Stärke, die man durch das Aufholen eines 0:2 in Kiew bewiesen hat, müsse man nun aber auch zum Turnier mitnehmen, forderte Teamchef Didier Deschamps.

„Die Spieler haben die Qualitäten“, betonte Deschamps. „Leider haben wir manchmal Probleme, richtig bei der Sache zu sein. Wenn wir in diesem Zustand sind, dann sind wir konkurrenzfähig.“ Das hat sein Team im Stade de France eindrucksvoll bewiesen. „Respekt“, titelte die Sportzeitung „L‘Equipe“ am Mittwoch in großen Lettern auf Seite eins.

Den in den vergangenen Jahren verspielten Kredit bei den Fans erarbeiten sich die „Bleus“ langsam wieder zurück. Das Feuerwerk im Play-off-Rückspiel gegen die Ukraine soll erst der Anfang gewesen sein. „Wir haben gezeigt, dass wir eine großartige Mannschaft sind“, meinte Torschütze Karim Benzema. „Jetzt können wir sehr weit kommen.“

Seit dem WM-Finale 2006 sind die Franzosen bei einer großen Endrunde aber nie mehr über ein Viertelfinale hinausgekommen. Bei der EURO 2008 und der von Skandalen im eigenen Camp überschatteten WM 2010 kam jeweils bereits in der Gruppenphase das Aus. In den vergangenen drei Turnieren wurde lediglich ein Spiel gewonnen - gegen die Ukraine.

Die WM-Teilnahme wurde für Deschamps mit einer Vertragsverlängerung belohnt. Der Weltmeister-Kapitän wird die „Grande Nation“ damit auch zur Heim-EM 2016 führen. „Wir fahren nicht zur WM, um nur daran teilzunehmen“, versicherte Deschamps, der gegenüber dem Hinspiel fünf mutige Umstellungen vorgenommen hatte. Sie sollten sich bezahlt machen.