Kunst

Die Topmodels der Tiere

Prestigeobjekte, bedrohte Arten, Wunder der Natur: „Paradiesvögel“ im Zeughaus.

Von Ivona Jelcic

Innsbruck –Im Vergleich zu manchen seiner Artgenossen kommt der Prachtreifelvogel fast ein wenig unscheinbar daher, vielleicht muss er sich deshalb beim Balztanz besonders anstrengen und führt der gefiederten Damenwelt so etwas wie Kniebeugen vor. Aber es ist angesichts der hier versammelten Paradiesvogel-Arten eigentlich müßig, über Abstufungen in Sachen Attraktivität zu diskutieren: Schön sind sie alle. Was ihnen auch beinahe zum Verhängnis wurde.

Paradiesvögel sind ein anschauliches Beispiel dafür, dass Tierschutz bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert Thema war. Die Jagd auf sie bis an den Rand der Ausrottung demzufolge leider auch. Den „Vogelmord für Modezwecke“ beklagte in Deutschland vor allem der 1899 gegründete Deutsche Bund für Vogelschutz: Schmuckfedern und sogar ganze Vögel zierten vor allem die Hutmode der Zeit, auf der Insel Laysan bei Hawaii wurden im Jahr 1909 innerhalb weniger Monate 300.000 Seevögel getötet und zum Verkauf nach Paris verschifft, heißt es im kleinen Katalog zur mit zahlreichen Präparaten und kulturgeschichtlichen Exponaten bestückten „Paradiesvögel“-Schau, die das Zeughaus vom Museum Mensch und Natur in München übernommen hat. Nicht, ohne sie ein wenig zu „tirolisieren“, wie Präparator und Kurator des Zeughaus-Ablegers Peter Morass betont. Was etwa mit dem berühmten „Vogelbuch“ des Schweizer Arztes und Naturforschers Conrad Gesner von 1582 gelungen ist, das die erste Schwarz-Weiß-Illustration eines Paradiesvogels in Europa zeigt. Und aus den Beständen der Ferdinandeumsbibliothek stammt.

Mit naturwissenschaftlichen Ausstellungen, zuletzt den „Ameisen“, im Zeughaus wollen die Landesmuseen vor allem auch Schulklassen ansprechen. Sie eignen sich zudem gut für Kooperationen: Die gab es etwa mit der Ferrarischule, deren 3. und 4. Klasse sich in Aquarellen, Kollagen, Fotografien und Mode-Entwürfen mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Mit Federn verzierte Roben wirken im Kontext des einstigen „Vogelmords für Modezwecke“ zwar etwas seltsam, doch es ist natürlich nicht anzunehmen, dass ein Paradiesvogel für sie Federn lassen musste. Zumal die Tiere heute streng geschützt sind.

Vor rund 500 Jahren waren sie begehrte Prestigeobjekte: Die ersten Paradiesvögel gelangten 1522 in Folge der Weltumsegelung von Fernando Magellan aus Neuguinea nach Europa. Weil den präparierten Tieren Beine und Flügel fehlten, um die Prachtfedern besser zur Geltung zu bringen, brachte man sie mit etwas Göttlichem, also auch Paradiesischem in Verbindung. Was natürlich fürstlichen Häuptern gebührte: Der Paradisaea rudolphi mit seinem königsblauen Gefieder etwa wurde nach Kronprinz Rudolf benannt.