Eisschnelllauf

Erfolg mit gewissen Vorzügen

Eisschnellläuferin Vanessa Bittner (18) wird Tirol bei den Olympischen Spielen in Sotschi vertreten. Die großen Fortschritte der Innsbruckerin wundern viele. Nur sie selbst nicht.

Von Roman Stelzl

Innsbruck –Es sind große sportliche Erfolge, die hinter Vanessa Bittner liegen – fast so groß wie die dicken Augenringe, die das müde Gesicht der 18-jährigen Innsbruckerin an diesem kalten Herbsttag zieren. „Schlafen darf ich erst wieder am Abend. Wegen dem Jetlag“, antwortet Tirols Eisschnelllauf-Prinzessin kurz, während sie Innsbrucks Christkindlmarkt heuer den ersten Besuch abstattet. Der Jetlag, der entstammt der Rückkehr am Tag zuvor, nach drei Wochen Nordamerika und acht Stunden Zeitunterschied. Mit dem Ergebnis: müde Augen. Müde Beine. Zwei österreichische Rekorde über 500 und 1000 Meter. Und die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Sotschi (RUS/7.2. bis 23.2.).

„Ganz realisiert habe ich das noch nicht. Aber ich wollte unbedingt bei Olympia dabei sein“, erzählt Bittner später bei einem Cappuccino. Die Zeiten der ersten Weltcups in Calgary (CDN) und Salt Lake City (USA) geben dem Ehrgeiz Recht. Sind doch über 500 und 1000 m sogar die alten Rekorde von Olympiasiegerin Emese Hunyady-Järvinen Geschichte.

„Sie hat mich gleich danach angerufen und mir gratuliert. Sie war sehr stolz auf die Leistung“, meint die Juniorenweltmeisterin. Die Grande Dame hat bei Bittners Gewinn des E.on-Jugendsportpreises 2012 die Laudatio gehalten. Und soll auch in Zukunft den ein oder anderen (Gratulations-)Anruf tätigen.

Wo genau diese starken Zeiten herkommen, die Trainer Hannes Wolf fast als „Wunder“ beschrieben hat, finden sich auf dem Untergrund wieder. Bittner: „Das Eis in Nordamerika lässt gut drei Sekunden bessere Zeiten zu als in Innsbruck. Es ist eines der schnellsten.“ Deshalb ist die geschaffte ÖOC-Norm über 500 und 1000 m fast so viel wert wie der nötige Platz unter den 36 weltweit schnellsten Läuferinnen.

Lernen musste die BORG-Schülerin, die vor zwei Jahren eine Klasse wiederholte, dass ihre Erfolge mehr Ruhezeit benötigen. „Ich habe mich im Sommer voll aufs Eis konzentriert, habe viel auf das Inlineskaten verzichtet. Und danach drei Wochen einfach mal gar nichts gemacht.“ Dafür ist das Spektrum beim Jungstar, der mit fünf Jahren vom Cousin zum Eislaufen gebracht wurde, jetzt stark begrenzt: „Schlafen und Trainieren, das ist alles – für viel mehr habe ich momentan keine Zeit.“

Zum Ausgleich gehe sich ab und an ein Film bei Teamkollegin Anna Rokita aus, zuletzt war das „Freunde mit gewissen Vorzügen“. Vorzüge hat Bittner auch, was das Training angeht, an dem sie nichts ändern will („Ich bleibe in Innsbruck“). Geübt wird meist mit Sprinter Armin Hager. Und dass das so passt, hat einen einfachen, ehrgeizigen Grund, wie die am Ende aufgewachte Bittner anmerkt: „Es ist gut, wenn Frauen mit Männern trainieren. Denn nur so kannst du besser werden.“