Standort Tirol

„Umverteilung der Macht lässt Übergabe oft scheitern“

Hoteliers, Tourismusfachleute und ein Markenexperte diskutierten auf Ehrenberg über Generationenwechsel und starke Marken.

Reutte –Die Vision der Tirol Werbung ist klar formuliert: „Tirol ist bis 2030 der begehrteste Kraftplatz der Alpen.“ Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, müssen wichtige Voraussetzungen geschaffen werden. Die BTV lud daher kürzlich zu einem touristischen Gipfeltreffen in die Ehrenberger Klause. Dort diskutierten Hoteliers, Tourismusfachleute und Markenexperte Klaus Dieter Koch über die größten Knackpunkte für einen nachhaltig erfolgreichen Tourismus.

Laut einer Schätzung der KMU Forschung Austria, auf Sozial- und Wirtschaftsforschung mit Fokus auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) spezialisiert, stehen mehr als 20 Prozent der Tourismusbetriebe in den kommenden zehn Jahren vor einer Übergabe.

„Das Loslassen und Übergeben ist ein zutiefst emotionales Thema, das häufig verdrängt wird. Die Vorbereitung beginnt daher oft viel zu spät“, erklärte Michael Falkner, BTV-Vertriebsleiter Firmen im Tiroler Oberland, den interessierten Zuhörern. Nur wer rechtzeitig Vorkehrungen in Bezug auf die Nachfolge treffe, sichere auch den nachhaltigen Erfolg des Unternehmens. Falkner: „Die gute Absicht der Eltern geht häufig mit familieninternen Differenzen einher. Vor allem die Umverteilung der Machtverhältnisse bringen Betriebsübergaben nicht selten zum Scheitern.“ Seiner Ansicht nach sei es wichtig, den Wert des Unternehmens rechtzeitig durch Investitionen zu steigern. Das erhöhe die Freude des Nachfolgers und stärke die Bindung des Übernehmers zum Unternehmen.

Klaus Dieter Koch, bekannter Markenexperte im deutschsprachigen Raum, begeisterte das Publikum: „Eine Marke ist die stärkste Waffe im Wettbewerb und das Einzige, was langfristig bleibt.“ Der Markenexperte rät daher, das „Wertspiel“ zu leben und sich nicht vom Konkurrenzkampf verführen zu lassen: „Überlegen Sie sich, was Sie besser machen als alle anderen, und bringen Sie Ihre Gäste dazu, möglichst viel von Ihren Spitzenleistungen wahrzunehmen“, appellierte Koch an die anwesenden Touristiker. Würden diese Spitzenleistungen erst einmal wahrgenommen und wertgeschätzt, steige beim Kunden auch die Bereitschaft, einen höheren Preis zu bezahlen, weiß Koch. Eine attraktive, glaubwürdige Marke, die sich von der Konkurrenz abhebe, schaffe Vertrauen: Sei die Vertrauensfähigkeit gegeben, höre ein Kunde auf, nachzudenken, und suche keine Alternativen mehr. „Es geht nicht um Bekanntheit. Kunden müssen eine Marke wollen – Fans sind die besten Promotoren“, betont Koch. Die BTV arbeite seit 1904 an Finanzlösungen für Tourismusbetriebe. (TT, fasi)