Freizeit

Der „Tuifl“ ist aus Zirbenholz

Der Nikolausabend naht – darum herrscht derzeit Hochsaison für den Maskenschnitzer Miguel Walch. Bis zu 40 Arbeitsstunden investiert der Tiroler, um eine lebensecht aussehende Krampusmaske aus einem Holzblock zu schnitzen.

Von Judith Sam

Tarrenz –Miguel Walch umgibt sich täglich mit Krampussen, Perchten, Hexen, Werwölfen und Wurzelmännchen. „Doch keine Sorge, ich bin kein Exorzist, sondern Maskenschnitzer“, lacht der gebürtige Tarrenzer: „Seit sieben Jahren lebe ich hauptberuflich davon, meinem Hobby nachzugehen.“ Der Erfolg gibt ihm Recht: Bei einem Preis um 500 Euro pro Maske ist er für das gesamte Jahr 2014 ausgebucht.

Eine gute Woche arbeitet der 33-Jährige an einer Maske: „Das beinhaltet schnitzen, bemalen und optional das Montieren der Hörner und des Fells. Außerdem bringe ich auf Wunsch eine adaptierte Snowboardbindung im Inneren der Maske an. So kann man sie bequem am Kopf befestigen.“ Bei der Arbeit sei die größte Herausforderung für den studierten Betriebswirten, eine dreidimensionale Mimik in den Holzblock zu zaubern: „Ich habe nie eine Schnitz-Ausbildung genossen. Darum lernte ich durch das Studium von Anatomiebüchern, wie Details der menschlichen Mimik auszusehen haben.“

Auch das Bemalen der Holz-Fratzen habe er autodidaktisch gelernt: „Wer raffiniert malt, kann über Mankos hinwegtäuschen.“ Das erklärt, wieso Walch in seiner Laufbahn nur fünf Masken wegen Schnitzfehlern verwerfen musste.

Am Beginn seiner Karriere als freischaffender Künstler fertigte Walch noch für jede Maske ein Tonmodell an. Heute, 20 Jahre nachdem er zum ersten Mal Schnitzwerkzeug in Händen hielt, geht er diesen Umweg nicht mehr: „Ich bin durch Zufall zum Schnitzen gekommen. Vor 20 Jahren kaufte ich eine laienhaft hergestellte Maske und meinte zu meiner Mutter, dass ich so etwas auch basteln könnte.“

Zu seiner Überraschung schenkte seine Mutter ihm kurz darauf zu Weihnachten ein auffallend schweres Geschenk: „Darin waren ein klobiger Holzblock und Schnitzwerkzeug. Erst dachte ich, sie will mich auf den Arm nehmen. Doch während der Weihnachtsferien machte ich erste Schnitzversuche und fand Gefallen daran.“

Seit damals hätten sich nicht nur Walchs Geschick, sondern auch die Verarbeitungsmethoden drastisch verbessert: „Früher legte man noch nicht viel Wert auf die Holzart. Heute ist klar, dass sich Zirbenholz am besten eignet. Denn es ist leicht und robust. Eine Maske ist etwa nur zwischen zwei und vier Kilogramm schwer.“

Dieses geringe Gewicht sei von großem Vorteil, da der Träger der Maske durch das eingeschränkte Sichtfeld ohnehin schon beeinträchtigt sei: „Auch bei Masken gibt es Trends. So befanden sich bei alten Masken noch relativ große Gucklöcher unter den Glasaugen der Maske.“ Heute bestehen die Augen meist aus Kunststoff – was den Vorteil hat, dass man sie abschleifen und dadurch verkleinern kann: „Bei modernen Masken schaut man durch einen winzigen Schlitz unter den Kunststoffaugen.“ Der entsteht, indem man knapp zwei Millimeter von der Unterseite des Auges wegfräst. „Wenn meine Kunden so eine Maske zum ersten Mal sehen, suchen sie oft minutenlang nach den Blick-Löchern.“

Die Ideen, wie die Fratzen aussehen sollen, bringen meist die Kunden mit: „Filme inspirieren die Leute sehr. Nachdem der ,Herr der Ringe‘ im Kino lief, wollten etwa viele aussehen wie die Orks – fiktive, entstellte Bösewichte aus der Filmtrilogie.“

In Tirol seien die Kundenwünsche meist „nicht so krass“ wie in Kärnten oder der Steiermark: „Beim Nikolausumzug in Tarrenz sind nämlich weder Zombies noch Vampire erlaubt – nur gruselige, aber eher konventionelle Krampusse.“ In den Osten Österreichs liefere er hingegen ständig Holz-Fratzen mit blutverschmierten Mündern, tiefen, blutigen Narben oder grotesken Metalleinschlüssen.

Derzeit arbeitet Walch noch an derartigen Grusel-Masken: „Aber nicht mehr lange, denn bald beginnt die Fasnachts-Saison. Dann befasse ich mich ausnahmsweise nicht mehr mit entstellten Gesichtern, sondern mit menschlichen Charaktermasken.“