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Nach Konflikt um Gehalt: Siemens-Betriebsratschef geht mit 65

Siemens-Betriebsratschef Adler wollte einige Monate länger arbeiten. Doch das Ansinnen verursachte einen Riesenwirbel um die Höhe seines Gehalts. Auch der Abgang von Personalvorständin Ederer soll damit zu tun haben. Nun gibt Adler auf. Vorbei ist die Sache aber wohl nicht.

München - Siemens-Gesamtbetriebsratschef Lothar Adler verzichtet nach dem Wirbel um sein Gehalt auf die umstrittene Verlängerung seines Vertrages. Auch der Abgang von Personalvorständin Brigitte Ederer soll damit zu tun haben. Adler, der Ende Mai 65 Jahre alt wird, scheidet jetzt doch mit Erreichen der regulären Altersgrenze bei Siemens als Beschäftigter und aus dem Aufsichtsrat aus.

Heftige Turbulenzen

Adler wollte ursprünglich über seinen 65. Geburtstag hinaus noch einige Monate weiter arbeiten. Dabei sei es ihm nicht um die Verlängerung seiner Amtszeit als Betriebsrat gegangen, hatte Adler in einem Gespräch mit der dpa im Oktober betont. Dieses Mandat erlösche mit der Neuwahl der Arbeitnehmervertreter im kommenden Frühjahr. Er wollte aber bis zur Hauptversammlung im Februar 2015 Siemens-Mitarbeiter bleiben - und sich erst dann auch aus dem Aufsichtsrat verabschieden, für den er bis 2017 gewählt sei.

Adlers Antrag hatte zu heftigen Turbulenzen geführt, der auch eine Ursache für den Abgang von Personalchefin Brigitte Ederer gewesen sein soll. Die für das Personal des Elektrokonzerns zuständige Ederer soll sich gewehrt haben, dass Adler über die konzerninterne Altersgrenze von 65 Jahren hinaus beschäftigt bleibe. Ederer soll auch ein Gutachten in Auftrag gegeben haben, um ihre Position zu unterstützen. Adler soll sich daraufhin mit dem neuen Konzern-Boss Joe Kaeser im Aufsichtsrat gegen Ederer verbündet haben. Die Wienerin schied per Ende September vorzeitig aus dem Siemens-Konzern aus. Bald darauf wurde das bis zu 300.000 Euro hohe Gehalt Adlers in den Medien bekannt.

Kaeser dankt Adler

Siemens untersucht die Vorgänge. Adler hatte der dpa gesagt, er habe nach seiner Wahl an die Spitze des Betriebsrats Siemens gebeten, ein den Regeln der guten Unternehmensführung entsprechendes Gehalt zu ermittlen. Er habe keinen Anlass, an der Rechtmäßigkeit des von Siemens festgelegten Gehalts zu zweifeln.

Siemens-Chef Joe Kaeser dankte in der Mitteilung Adler für seine Arbeit. Adler sei ein überzeugter und überzeugender Interessenwalter der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens gewesen. „Ich habe großen Respekt vor seiner Lebensleistung“, sagte Kaeser. IG-Metall-Chef und Siemens-Aufsichtsratsvize Berthold Huber sagte, Adler habe als Betriebsratschef vorbildlich, geradlinig und couragiert gehandelt. „Sein erfolgreiches Wirken für die Interessen der Belegschaft verdient von uns allen großen Respekt.“

Dass das Thema damit ausgestanden ist, scheint fraglich. Siemens beurlaubte nach Bekanntwerden der Gehaltserhöhung den Personalchef von Siemens Deutschland, die interne Untersuchung zu den Umständen der angeblichen Gehaltserhöhung bei Adler sind noch nicht abgeschlossen. (APA/dpa)