Pflege daheim statt im Heim
Die Liste Fritz würde lieber weniger Heimplätze bauen und die 24-Stunden-Pflege ausweiten. Das Land setzt auf beides.
Von Anita Heubacher
Innsbruck –Ohne Pflegerinnen aus dem Osten gäbe es keine Rund-um-die-Uhr-Betreuung. „Das wäre nicht finanzierbar“, erklärt Susanne Thaler. Sie ist Gebietsleiterin des Pflegevereins St. Elisabeth für Tirol, Vorarlberg und Pinzgau. 1800 Euro netto sind für zwei Betreuerinnen im Monat zu bezahlen. Dazu kommen Nebenkosten wie Sozialversicherungen und Fahrtkosten. Das ergibt 2600 Euro im Monat, abzüglich des Pflegegeldes und der Förderung unter anderem vom Bundessozialamt bleiben 1150 Euro, die der zu Pflegende oder deren Angehörige aus eigener Tasche zu bezahlen hat.
Diese Rechnung hat die Klubobfrau der Liste Fritz, Andrea Haselwanter-Schneider, auf den Plan gerufen. Sie fordert nun, dass weniger Heimplätze gebaut, dafür aber die 24-Stunden-Pflege besser gefördert wird. „80 Prozent der Tiroler wollen lieber zu Hause gepflegt werden.“ Die zu erwartenden Kosten seien im Vergleich zum Ausbau von Heimplätzen überschaubar. Für 1000 geförderte Personen entstünde ein Aufwand von 6,6 Millionen Euro pro Jahr. Die Förderung könnte 550 Euro betragen. 1000 Heimplätze würden mit 150 Millionen Euro zu Buche schlagen, rechnete Haselwanter-Schneider vor.
In Tirol übernehmen rund 30 Agenturen die Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Thaler vermisst dabei, dass es keine Qualitätskriterien – weder für die Pflege noch für die Betreuerinnen – gebe. „Die Frauen sind zum Teil sehr schlecht untergebracht. Eine Matratze am Boden soll für sie zum Übernachten ausreichen.“
Schützenhilfe für die Forderung kommt vom Landesvolksanwalt. Dieser meint in seinem Bericht, dass der Ausbau der 24-Stunden-Pflege Land und Gemeinden erheblich weniger Geld kosten würde. Das Land hat einen Masterplan Pflege vorgelegt. Dieser sieht sowohl den Ausbau der Heimplätze als auch die Stärkung der mobilen Pflege vor.
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