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Der Doktor und seine lebenslange Leidenschaft fürs Radio

© Andreas Rottensteiner / TT

Mit dem Abschied von Wolfgang Kirchmair geht eine Ära zu Ende. Fast 39 Jahre begleitete er die Tiroler „Mit Musik ins Wochenende“. Dabei begann alles mit einer Übergangslösung.

Von Michaela Spirk-Paulmichl

Innsbruck –Etwas leicht Verdauliches sollte es zum Start ins Wochenende sein, mit viel Musik, der Wettervorschau, Verkehrsinformationen und Veranstaltungstipps für Spätentschlossene. Eine 35 Minuten dauernde Übergangslösung während der Sommermonate, bevor im Herbst mit dem geänderten Programmschema des ORF Tirol die geplante Nachfolgesendung anlaufen würde. Doch dazu sollte es nicht kommen, denn „Mit Musik ins Wochenende“ sprach völlig unerwartet so viele Hörer an, dass aus der Zwischenlösung ein Dauerbrenner für Jahrzehnte wurde.

Die Sendezeit wurde auf zwei Stunden ausgeweitet, die Ausstrahlung von anfangs 16 Uhr schließlich auf 18 Uhr verlegt. Von Anfang an am Mi­krofon: Wolfgang Kirchmair, 1975 noch 26 Jahre alt und Medizinstudent. Am 27. Dezember wird er zum letzten Mal Tirol „Mit Musik ins Wochenende“ begleiten. Anlass für einen Rückblick auf viele Jahrzehnte Radiogeschichte, die vor 45 Jahren begann: „Zwei Tage nach der Matura habe ich mein erstes Radiointerview geführt“, erinnert sich der inzwischen 64-Jährige. Es ging um ein Ferienlager des Aufbauwerks der Jugend. Doch eigentlich hatte ihn die Faszination Radio schon viel früher gepackt: Schon als Achtjähriger saß er gebannt vor dem Radio und hörte sich die Wunschkonzertsendung von Heinz Conrads an. Später hörten seine Eltern aus dem Wohnzimmer „Und jetzt einen Gruß von Tante Maria für Opa Joachim“ – lautstark vorgetragene, erfundene Glückwünsche eines kleinen Buben, der vor dem Plattenspieler auf dem Boden saß und leidenschaftlich Radiomoderator spielte.

„Ich habe mich beim Radio immer wohl gefühlt“, sagt Kirchmair heute. Da müsse man auch nicht wie aus dem Ei gepellt sein, so wie beim Fernsehen. Anders war das wohl bei den vielen Live-Übertragungen aus Alm- und Skihütten, Festzelten, Wirtshäusern und Sälen in Nord-, Ost- und Südtirol oder aus der Olympiahalle Innsbruck mit Stargästen wie Al Bano & Romina Power, Karel Gott und den Flippers mit 10.000 Besuchern. Die Sendung wurde aber auch aus der von Jenbach nach Mayrhofen fahrenden Zillertalbahn, der Achenseebahn und sogar aus der Rofanseilbahn übertragen, von einem Dampfer auf dem Achensee und – wohl ein Höhepunkt in jedem Sinn – aus einer Dash 7 der Tyrolean während eines zweistündigen Rundflugs über die Alpen mit 50 Passagieren an Bord. Am liebsten seien ihm aber immer die Übertragungen aus heimeligen Gaststuben, Gemeindesälen und nicht zu großen Zelten gewesen. „Dort konnte ich den Menschen, für die ich Radio gemacht habe, sehr nahe sein, ein Moderator zum Angreifen.“

Im Laufe der Jahrzehnte wurden während der Sendung etwa 75.000 Musiktitel gespielt. „Formationen wie die Schürzenjäger, die Kastelruther Spatzen oder Marc Pircher gingen mit ,Musik ins Wochenende‘ erste mediale Schritte.“ Doch wesentlich für die Sendung, das seien die vielen Veranstaltungsankündigungen gewesen – für Bälle des Schafzuchtvereins, die Traktorenschau, das Oldtimer-Treffen, die Volksbühne und auch die eine oder andere Briefmarkenausstellung. „Es war mir immer wichtig, jene zu unterstützen, die sich teure Plakate oder Werbung nicht leisten konnten“, so Kirchmair. Die Organisatoren von über 150.000 Veranstaltungen konnten so im Laufe der Zeit mit Publikum rechnen. Viele geschriebene Zeilen wie „Auf Sie ist einfach immer Verlass!“ oder „,Mit Musik ins Wochenende‘ ist Spitze“ zeugen von der Dankbarkeit.

„Der ORF hat mich ein Leben lang begleitet“, sagt Kirchmair. Doch was wohl nur wenige seiner Hörer wissen: Das Moderieren war das Hobby des Facharztes für Innere Medizin und Primarius bei der Krankenkasse. Aber, und viele vermuteten es ohnehin: Wenn Kirchmairs Vater nicht zu diesem Berufsweg gedrängt hätte, wäre der freie Mitarbeiter beim ORF wohl ausschließlich Radio­journalist gewesen.

Nach seinem Abschied werde das „Sendegefäß“ erhalten bleiben, wie es vom ORF heißt, ab 1. Jänner schließlich eine Nachfolgesendung „on air“ gehen. Ein wertschätzendes Dankeschön soll es am 24. Dezember während der Sendung „Licht ins Dunkel“ geben, für die Aktion hat Wolfgang Kirchmair insgesamt 40 volkstümliche Galas präsentiert.