Gesellschaft

Drogen sind gefährlich wie nie zuvor

Von Helmut Mittermayr...

Von Helmut Mittermayr

Reutte –„Meth, Crystal, Speed, Ice“ – Bezirkspolizeikommandant Egon Lorenz nennt aus dem Stegreif synthetische Drogen, die im Bezirk Reutte im Umlauf sind und allesamt eines gemeinsam haben: Schon der Erstkonsum kann für immer süchtig machen und sie sind weit stärker als bisher Bekanntes. „Der synthetische Stoff ist so hoch konzentriert, dass wir Menschen auch verlieren“, weiß Lorenz. Hinzu komme der Gebrauch von anderen vermeintlich leichteren Drogen wie Cannabis, die auch immer intensiver würden, um überhaupt wieder „herunterzukommen“. Immerhin drei Drogentote gibt es heuer im Außerfern zu beklagen.

60 Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz im Jahr 2012 und 63 im Jahr 2011 spiegeln die Problematik wider. Beim Drogenkonsum handelt es sich um ein „proaktives Delikt“, erläutert Lorenz. Das heißt, je mehr Zeit und Personal die Polizei in das Thema investieren kann, desto mehr Anzeigen hagelt es. Eine geringe Anzeigenquote bedeute deshalb keineswegs, dass es irgendwo eine Insel der Seligen gebe. Eher, dass die Polizeikräfte in anderen Aufgabenbereichen gebunden sind.

Der Polizeichef macht den Gruppendruck dafür verantwortlich, dass Jugendliche erstmals zur Droge greifen. „Der Zwang, dazugehören zu wollen, ist enorm.“ Die „Kundschaft“ ist meist zwischen 18 und 30 Jahren alt, wenn es zum ersten Polizeikontakt kommt. Mit 15 Jahren fängt es meist an. „Eigentlich ist es oft zu spät, wenn die Opfer dann bei uns aufschlagen“, sagt Lorenz. Dann seien sie längst in einem Teufelskreis ohne Ausgang gefangen. Oftmals begleitet von Kleinkriminalität und dem Dealen, um den eigenen Bedarf zu sichern.

„Leider gibt es für Eltern keinen exakten Leitfaden, an dem sie den Drogenkonsum ihrer Kinder frühzeitig erkennen könnten.“ Die Symptome reichen von körperlichen Störungen wie Kopfschmerzen bis hin zu Misstrauen, Angstzuständen und Stimmungsschwankungen. Vieles vermische sich mit harmlosen pubertären Auffälligkeiten. Ein absolutes Alarmzeichen besteht laut Lorenz aber, wenn im eigenen Haushalt gestohlen wird. Je früher dem Problem offensiv begegnet werde, desto größer sei die Erfolgsaussicht, ähnlich wie bei der legalen Droge Alkohol. Eltern könnten sich vertrauensvoll an die Polizei wenden. Sie müssten jedenfalls mit einer Stimme sprechen, wenn sie die Sucht ihrer Kinder erfolgreich bekämpfen wollen.

Lorenz ortet ein gesellschaftliches Problem, das alle betreffe. Niemand dürfe wegschauen. Es brauche Mut und Zivilcourage, um den Anfängen zu wehren. Sowohl die Polizei als auch die BH Reutte werden im Jahr 2014 einen besonderen Schwerpunkt gegen Drogenkonsum und auf Prävention legen.