Ohne Olympiaticket droht das Karriereende
Beim heutigen Heim-Weltcup in Igls kämpfen Österreichs Rodel-Herren nicht nur um wichtige Punkte für einen Platz im Sotschi-Aufgebot.
Von Günter Almberger
Igls –In 75 Tagen werden in Sotschi die Olympischen Spiele feierlich eröffnet. Doch bevor es um Gold, Silber und Bronze geht, steht für die österreichischen Rodel-Herren der interne QualifikationsKampf an. Die Brüder Daniel und Manuel Pfister, Wolfgang Kindl und Reinhard Egger rittern um eines der drei Tickets. Das ist aber noch nicht alles. Demjenigen, der nicht mit nach Russland darf, droht sogar das Karriereende.
„Wer nicht zu den Olympischen Spielen fährt, ist quasi zum Aufhören gezwungen“, bringen es die Pfister-Brüder auf den Punkt. Der Hintergrund: Das Kontingent der Rodler im Heeresleistungssportzentrum (HLSZ) in Innsbruck soll gekürzt werden. Aktuell stehen dem österreichischen Rodelverband (ÖRV) zehn Plätze zur Verfügung, im kommenden Jahr sollen es nur noch acht sein. Ohne Teilnahme in Sotschi stehen damit die Chancen auf eine Verlängerung des HLSZ-Platzes alles andere als gut. Ohne Unterstützung des Bundesheeres fehlt den ÖRV-Athleten die Basis, um professionell Rodeln zu betreiben.
„Es rücken immer mehr junge Athleten nach, dadurch kommt es zu diesem Engpass bei den HLSZ-Plätzen. Natürlich wollen wir den Aktiven eine Sicherheit bieten, können sie aber auch nicht auf Verbandskosten durchfüttern“, erklärt ÖRV-Sportdirektor Markus Prock. Die Tiroler Rodellegende schöpft aber Hoffnung: „Wir sind in Verhandlungen, dass wir den einen oder anderen bei Polizeikursen unterbekommen.“
Dem ÖRV-Herren-Quartett hat diese Problematik noch nicht aufs Gemüt geschlagen. Im Gegenteil, sie zeigen sich vor dem heutigen Heim-Weltcup in Igls sehr entspannt. „Die Situation wird sich sicher nach Weihnachten zuspitzen. Dennoch werden wir wie in der Vergangenheit zusammenarbeiten. Wir entwickeln uns ja nicht weiter, wenn wir uns gegenseitig ausspielen“, betont Kindl, der beim Weltcup-Auftakt in Lillehammer mit Rang fünf aufhorchen ließ. Zwei der drei Sotschi-Tickets werden basierend auf einem internen Punktesystem bereits „unter dem Christbaum liegen“, die letzte Fahrkarte wird per Trainerentscheid im Jänner vergeben. „Ich gönne es jedem, am meisten natürlich mir selbst. Der dritte Platz wird sicher ein objektiver Trainer-Entscheid sein. Aber derjenige, der durch die Finger schaut, wird sich immer unfair behandelt fühlen“, meint Manuel Pfister. Selbst Egger fühlt sich nach einem verpatzten ersten Weltcup-Rennen noch nicht unter Druck: „Ich habe alles selbst in der Hand. Wenn ich die Leistung nicht bringe, habe ich es auch nicht verdient, dabei zu sein.“
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