Mehr obdachlose Frauen, Familien und Ost-Leute: Womit Helfer kämpfen
Von Liane Pircher...
Von Liane Pircher
Innsbruck –Wenn es draußen kalt wird, füllen sich Innsbrucks Notschlafstellen sehr schnell: „Wir sind gesteckt voll, alle 146 Plätze sind belegt.“ Mit „wir“ meint Franz Stelzl das Alexihaus und die Herberge vom Innsbrucker Sozialdienst. Hier schlafen darf nur, wer Anspruch auf Mindestsicherung hat. Alle anderen müssen draußen bleiben. Stelzl leitet die Einrichtung und weiß, welche Menschen existenziell derart bedroht sind, dass ihr Leben auf der Straße passiert: „Wir spüren, dass es mehr geworden sind, vor allem der Anteil an Frauen ist in den letzten Monaten rasant gestiegen“, sagt Stelzl. Deshalb wurden zuletzt die 12 Frauenbetten auf 24 aufgestockt. Auch die dritte Notschlafstelle, jene vom Roten Kreuz, hat bereits 30 ihrer 36 möglichen Plätze belegt. Während die Notschlafstellen mit der Anzahl ihrer Betten – nicht zuletzt wegen der Verknüpfung mit der Bedingung Mindestsicherung – gerade noch auskommen, ist es in der Teestube des Vereins für Obdachlose um vieles enger. Hier können sich wohnungslose Menschen tagsüber aufhalten. Übernachten kann hier keiner. Täglich kommen derzeit etwa 110 Menschen. Bis vor wenigen Jahren waren es deutlich weniger: „Der Andrang wird immer stärker, wenn es so weitergeht, müssen wir uns was einfallen lassen. Wir brauchen dringend mehr Platz – wir sind am Limit angelangt“, sagt Michael Hennermann vom Verein für Obdachlose. Der Sozialarbeiter macht keinen Hehl daraus, dass es in den nächsten eineinhalb Jahren ohne eine zweite „Teestube“ nicht gehen wird. Wie vieles andere in einer globalen Welt, habe sich auch die Obdachlosenszene geändert. Fakt ist, dass sich mit der EU-Erweiterung zunehmend mehr Not- und Armutsmigration auch in Innsbruck abspielt.
Heißt: Die Zahl an Obdachlosen aus Oststaaten hat zugenommen: „Das spüren wir natürlich, aber es ist nicht so, dass wir überschwemmt werden“, sagt Hennermann. Die Debatte ist heikel: Auf der einen Seite wird in Brüssel stets betont, dass an der Personenfreizügigkeit in der EU nicht zu rütteln ist. Das muss auch für sozial schwache Menschen gelten. Auf der anderen Seite wollen reiche Staaten einen „Sozialtourismus“ vermeiden. Hennermann: „Hier von Touristen zu sprechen, ist zynisch, die Rede ist von armen Menschen.“ Neu ist auch, dass vereinzelt immer wieder Familien in der Teestube Hilfe und Beratung suchen.
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