Fußball-WM 2022

Katar: Resolution des EU-Parlaments voreilig, Besuch für 2014 geplant

Das EU-Parlament wird voraussichtlich im Frühjahr 2014 eine Delegation nach Katar entsenden. Dort wird die Resolution der Europa-Abgeordneten zu den Missständen auf WM-Baustellen als voreilig empfunden. Die Parlamentarier wollen Antworten von FIFA und UEFA.

Doha - Katars Regierung hat die Resolution des EU-Parlaments zu den Arbeitsbedingungen auf den Baustellen für die Fußball-WM 2022 als voreilig zurückgewiesen. Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte laut Medienberichten vom Freitag aber, man sei bereit zu einem Dialog mit dem Parlament.

Angedacht sei, im Frühjahr 2014 eine Delegation zu entsenden, teilte die Grünen-Politikerin Barbara Lochbihler, die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im EU-Parlament, am Freitag mit. Der Ausschuss plane auch eine Anhörung zu Katar. Daran teilnehmen sollen Vertreter des Fußball-Weltverbandes FIFA, der Europäischen Fußball-Union UEFA und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).

Vorwürfe seien übertrieben

„Katars Regierung nimmt die Anschuldigungen sehr ernst“, betonte der Außenamtssprecher. Generell seien die Vorwürfe wegen der Arbeitsbedingungen übertrieben. Man habe eine unabhängige Untersuchung in Auftrag gegeben, die von der internationalen Anwaltskanzlei DLA Piper durchgeführt werden solle. Das Vorhaben genieße höchste Priorität.

Die Europa-Abgeordneten hatten den WM-Gastgeber 2022 am Donnerstag zur Vermeidung von Zwangsarbeit und Sklaverei aufgefordert. Die FIFA solle dem Golfstaat „eine klare und unmissverständliche Botschaft“ schicken, damit die Vorbereitungen für das Weltturnier nicht von derartigen Vorwürfen überschattet würden. Katar solle insbesondere keine Wanderarbeiter mehr inhaftieren, die von ihren Dienstherren geflüchtet seien.

Die von Joseph Blatter geführte FIFA müsse die Vergabe von WM-Austragungsorten künftig an Kriterien knüpfen, die sich an UN-Menschenrechtskonventionen orientieren, forderte Lochbihler. „Es freut mich sehr, dass deren Präsident Blatter die menschenrechtlichen Probleme in Katar nun auch öffentlich anerkennt“, erklärte sie am Freitag.

Klare Schritte gefordert

Nun gelte es, ganz konkret auf Veränderung zu drängen. „Mit klaren Forderungen an Katar, mit deutlichen Benchmarks und mit der Option, bei mangelnder Umsetzung durch die katarische Regierung die nötigen Konsequenzen ziehen zu können“, fügte Lochbihler hinzu.

Der EVP-Fraktion im EU-Parlament warf sie vor, die Resolution verwässert zu haben. Nicht gefordert worden sei auf Drängen der Konservativen hin die Abschaffung einer Klausel, wonach jeder Migrant einen katarischen Sponsor benötige, um arbeiten zu dürfen. Das sogenannte Kafala-System führe faktisch zu Arbeitssituationen, die Zwangsarbeit und Sklaverei ähnlich seien. (dpa)