Medikamente: Tiroler suchen nach der Nadel im Heuhaufen
Die Entwicklung von Medikamenten ist sündteuer. Das Tiroler ADSI sucht mit neuen Methoden nach medizinischen Wunderwaffen.
Innsbruck –Trotz ständiger Fortschritte hat auch die moderne Medizin noch viel Handlungsbedarf: Oft wirken verschriebene Mittel nicht, wie sie sollen, oder sie haben äußerst unangenehme Begleiterscheinungen. Ein Medikament auf den Markt zu bringen, dauert oft mehr als zehn Jahre und kostet mindestens eine Milliarde Dollar, auch, weil viele Wirkstoffe erst spät in der Entwicklung scheitern, rund die Hälfte sogar erst in der letzten klinischen Testphase.
Medikamente zu finden, die heilen und zudem gut verträglich sind: Das ist das erklärte Ziel des ADSI (Austrian Drug Screening Institute). „Wir wollen nicht nur sagen, ob ein Medikament wirkt oder nicht, sondern erklären, wie und warum eine Substanz wirkt und ob Nebenwirkungen zu erwarten sind“, sagen die beiden wissenschaftlichen Leiter Günther Bonn und Lukas Huber. Prof. Bonn (Institut für Analytische Chemie und Radiochemie der Leopold-Franzens-Universität) und Prof. Huber (Institut für Zellbiologie am Biozentrum der Medizin-Uni) haben ihre Kompetenzen gebündelt. Das ADSI gehört zu 100 Prozent der Uni Innsbruck, an Bord sind aber auch die Medizin-Uni, die Pharmafirma Bionorica, das Land Tirol und als Schirmherrin die Akademie der Wissenschaften. Als Standort wurde bewusst ein Gebäude am Innrain ausgesucht wegen der Nähe zum Universitätscampus, dem Krebsforschungszentrum Oncotyrol sowie weiteren Institutionen und Unternehmen im Life-Science-Bereich.
Im ADSI geht es beispielsweise bei Krankheiten wie Krebs, Fettleibigkeit oder Zuckerkrankheit um die berühmte Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Bonn, Huber und ihr Team versuchen, aus der riesigen Auswahl an möglichen Wirkstoffen jene herauszufiltern, die Chancen haben, als Arzneimittel auf den Markt zu kommen. Die in Innsbruck entwickelten Testverfahren simulieren Krankheiten im Labor, wobei Zellen auch nachgebaut werden. Beim so genannten High-Content-Screening werden mit modernster Mikroskopie-Optik die zuvor eingefärbten Zellen rund um die Uhr gefilmt, also quasi videoüberwacht.
„Das ADSI ist derzeit weltweit die einzig Einrichtung, die sich mit dem Screening von Pflanzenextrakten beschäftigt. Wir wenden Methoden an, die es noch nirgends gibt“, sagt Bonn. Das ADSI sei weder ein universitäres Forschungsinstitut noch eine Pharmafirma, sondern liege genau dazwischen, betont Huber.
Für beiden Professoren ist klar, dass dies ein wesentlicher Schritt für die Stärkung des Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorts Tirol ist. Vorerst wurden neun Mio. Euro für drei Jahre bereitgestellt, davon 5,3 Mio. Euro vom Bund, 2,5 Mio. Euro vom Land und der Rest durch Kooperationen, vor allem mit Bionorica. (va)
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