Fährten und Instinkten folgen
Funk trifft Soul: Blood Orange lockt mit „Cupid Deluxe“ auf sinnliches Terrain.
Innsbruck –Was kommt denn da angegroovt? So soulig, funkig und chic? Es ist der lässigste Beat des Jahres, der im öden November so glamourös aus den Tiefen des Musikkosmos auftaucht. Blood Orange tischt mit „Cupid Deluxe“ ein Album auf, das in seiner Cool- und Sexiness und dem Bekenntnis zum Funk- und Soul-Pop der 1980er-Jahre den Nerv der Zeit erwischt.
Devonté Hynes, ein in Texas geborener 28-jähriger Brite, der in New York Fuß gefasst hat, ist kein unbeschriebenes Blatt: 2005 veröffentlichte er mit seiner Band Test Icicles ein Punk-Garage-Disco-Album, als Lightspeed Champion wandte er sich dem Akustikfolk zu, er angelte sich Songwriter-Aufträge für Florence + The Machine und Produzentenjobs für Kylie Minogue oder Solange Knowles. Dazwischen werkelte er als Blood Orange an seinem Debüt „Costal Grooves“ (2011) und der aktuellen Scheibe. „Cupid Deluxe“ ist ein ätherisches, wolkig-leichtes und dennoch seltsam tiefgründiges Album, das mit den Skills von Prince & Co. auf betörenden musikalischen Umlaufbahnen zugange ist. Über das Thema des Albums gibt der Titel Aufschluss, Cupido ist der römische Liebesgott und „Deluxe“ verweist auf die glänzende Oberfläche.
Schon das Intro, die Single „Chamakay“, breitet sich mit karibischen Klängen, sehr hippen Beats und den Stimmen von Hynes und Caroline Polacheck von Chairlift unnahbar und eklektisch aus und wird auf diesem Weg zum schmachtenden Popsong. „No Right Things“ erhält durch die helle, klare Stimme von Dave Longstreth (Sänger der Dirty Projectors) sehr viel 80er-Spirit und eine reizvolle Aura. „Uncle Ace“ mit forschen Beats, Funken sprühender Gitarre und dem erotisierenden Saxophon entwickelt eine dichte Woge, die von halb gesprochenen und halb gehauchten Lyrics noch verstärkt wird. Und auch „Always Let U Down“ mit der verführerischen Stimme von Samantha Urbani und den neckischen Beats kreist um den Nimbus des Soul und R’n’B.
Auf „Cupid Deluxe“ geht es also um das Eine – nicht direkt, sondern in Ahnungen und Andeutungen. Es ist ein Spiel und Dev Hynes legt Fährten. Er überlässt es dem Hörer, welcher er wohin folgen möchte. (sbn)
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