Kussfoto auf Facebook

Prozess gegen Teenager wegen Facebook-Kussfoto erneut vertagt

Facebook ist das mit Abstand größte soziale Netzwerk im Internet.
© dpa

Ein verliebtes Pärchen lässt sich beim Küssen von einem Freund fotografieren und postet das Bild auf Facebook. Ein alltäglicher und harmloser Vorgang? Nicht in Marokko - dort droht den Teenies eine Gefängnisstrafe. Der Prozess wurde jetzt erneut vertagt.

Rabat – Weiter Ungewissheit für drei Schüler, die in Marokko ein Kussfoto auf Facebook posteten und deshalb für mehrere Jahre ins Gefängnis kommen könnten: Der Prozess gegen die 14 bis 15 Jahre alten Jugendlichen ist am Freitag in der nordöstlichen Küstenstadt Nador ohne Angabe von Gründen erneut kurzfristig vertagt worden. Das Verfahren wegen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ solle nun am 6. Dezember aufgenommen werden, dann solle aber auch das Urteil bekanntgegeben werden, berichteten lokale Medien unter Berufung auf die Justizbehörden.

Ein 15 Jahre alter Schüler und seine 14 Jahre alte Freundin hatten sich küssend fotografieren lassen und das Bild in dem Sozialen Netzwerk veröffentlicht. Daraufhin waren Anfang Oktober nicht nur die beiden, sondern auch ihr 15 Jahre alter Freund, der das Foto aufgenommen hatte, festgenommen worden. Nach fünf Tagen hinter Gittern wurden die drei Schüler wieder auf freien Fuß gesetzt.

Der Prozessbeginn im nordafrikanischen Königreich war ursprünglich für den 11. Oktober geplant, damals aber erstmals kurzfristig verschoben worden. Beobachter von Menschenrechtsorganisationen in Marokko vermuten, dass die Vertagungen mit der großen Aufmerksamkeit zu tun haben, die der Affäre international zuteil wird.

Die Festnahmen hatten im Ausland viel Aufsehen erregt, aber auch in Marokko eine Welle der Empörung ausgelöst. Jugendliche hatten in Sozialen Netzwerken protestiert und unter anderem durch die Veröffentlichung eigener Kussfotos Solidarität gezeigt. In der Hauptstadt Rabat gab es sogar eine Kuss-Demonstrationen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte die marokkanischen Behörden auf, die «absurden Anschuldigungen» gegen die Schüler bedingungslos zurückzunehmen. Eine Reaktion der marokkanischen Behörden dazu gab es bisher nicht. (dpa)