Weltpolitik

Diplomatische Eiszeit zwischen Ägypten und Türkei

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan.
© REUTERS/Umit Bektas

Die Entmachtung der islamistischen Regierung in Kairo reißt die politischen Gräben zwischen Ägypten und der Türkei immer weiter auf. Ägyptens Übergangsregierung ließ am Samstag den türkischen Botschafter ausweisen. Ankara erklärte im Gegenzug den ägyptischen Botschafter zur „unerwünschten Person.

Ankara - Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat sich mit scharfer Kritik von der aktuellen Übergangsregierung in Ägypten distanziert und im diplomatischen Dauerzwist beider Länder erneut nachgelegt. Die türkische Staatsführung werde „niemals“ andere Regierungen akzeptieren, die „nach einem Putsch an die Macht gelangt“ seien, sagte Erdogan am Samstag.

Der politische Schlagabtausch zwischen Ankara und Kairo war zuvor in eine neue Runde gegangen: Ägypten wies am Samstag den türkischen Botschafter aus, um gegen „Provokationen“ Erdogans zu protestieren. Ankara erklärte daraufhin seinerseits den ägyptischen Botschafter Abderahman Salah El-Din zur „unerwünschten Person“. Sowohl die Türkei als auch Ägypten hatten ihre Botschafter im August zu Beratungen in ihre Heimatländer zurückgerufen. Der türkische Botschafter reiste im September nach Kairo zurück, der Posten seines ägyptischen Kollegen in Ankara blieb dagegen verwaist.

Erdogans jüngste Äußerungen vom Donnerstag seien „provokant“ gewesen und hätten wegen der „Einmischung in die inneren Angelegenheiten“ des nordafrikanischen Staats unmittelbare Folgen, sagte ein Sprecher des ägyptischen Außenministeriums. So werde der türkische Botschafter Hüseyin Avni Botsali ausgewiesen und zur „unerwünschten Person“ erklärt.

Der islamisch-konservative Politiker Erdogan hatte dem ägyptischen Ex-Präsidenten Mohammed Mursi Respekt für sein „Durchhaltevermögen“ im Streit mit der Justiz des Landes ausgesprochen. Mursis Sturz durch das Militär Anfang Juli brandmarkte Erdogan als „nicht hinnehmbaren Putsch“.

Auch in der Türkei gibt es seit Jahrzehnten ein Tauziehen zwischen der Regierung und dem Militär. Nach wiederholten Umstürzen und Umsturzversuchen stabilisierte Erdogan in den vergangenen Jahren seine Machtstellung gegenüber dem der Armee. (APA/AFP)