Geschichte von Ainet neu schreiben
Der Potschepol in Ainet gilt als Paradefundplatz der Hochgebirgsarchäologie. Forschungsergebnisse ließen das Alter der Gemeinde schlagartig in die Höhe schnellen. Nun liegt die erste Publikation druckfrisch auf dem Tisch.
Von Claudia Funder
Ainet –Es ist noch nicht lange her, da schien die Osttiroler Gemeinde Ainet eine in puncto Besiedlungsgeschichte vergleichsweise junge und historisch bescheiden interessante zu sein. Die Bezirkskunde Osttirols von 2001 gibt noch einen Gräberfund aus dem 9./10. Jahrhundert als Start der Ortsgeschichte an.
Dem Spürsinn und der Beharrlichkeit von Harald Stadler, Leiter des Innsbrucker Instituts für Archäologien und gebürtiger Lienzer, ist es zu verdanken, dass das Wissen über das Gestern der Gemeinde enorm geschärft wurde und Ainet heute einen der Top-Spots in der Hochgebirgsforschung Österreichs darstellt. „Das Alter der Gemeinde hat einen großen Sprung in die Vergangenheit gemacht“, freut sich Bürgermeister Karl Poppeller. „In kurzer Zeit ist die Besiedelungsgeschichte Ainets um Jahrtausende älter. Wir sind stolz darauf und gewinnen durch die Forschungen Jahr für Jahr neues Wissen dazu.“
Den Stein buchstäblich ins Rollen gebracht hatte eine beschriftete römische Steinplatte, die Sebastian Mühlburger vor Jahrzehnten beim Alkuser See entdeckt und versteckt hatte. 2003 übergab er sie in die Profihände Stadlers. Das steinerne Schriftrelikt war Anlass genug für den Experten, detailliert Nachschau zu halten – ein richtiger Schritt, wie sich herausstellte.
2006 fiel der Startschuss für die erste Grabungskampagne. Jahr für Jahr begab sich ein Trupp von Studenten und Forschern auf die von Bergketten umsäumte Hochebene, um das Areal genau unter die Lupe zu nehmen, mit dem Ziel, am Potschepol und Akuser See Überbleibsel aus römischer und vorgeschichtlicher Zeit ans Tageslicht zu befördern. Was schließlich eindrucksvoll glückte. Entdeckt wurden markante Strukturen von Viehperchen, Unterständen und Opferplätzen ebenso wie zahlreiche Funde aus der frühen Bronzezeit bis ins Hochmittelalter – Waffen, Fibeln, Kristalle, Keramik und Holzkohlereste.
Am Freitagabend präsentierten die Gemeinde Ainet und Harald Stadler die erste archäologisch historische Publikation in Osttirol zu Befunden und Funden im Hochgebirge seit der Vorlage des mittelsteinzeitlichen Jägerrastplatzes am Hirschbichl/St. Jakob. Es handelt sich um Band 1 einer geplanten Reihe und trägt den Titel „Almurkunden und Hufeisenfunde vom Potschepol“. Autorin des Werks ist Cornelia Klocker, die jahrelang an der Seite Stadlers im geschichtsträchtigen Terrain Hand angelegt hatte. Einen Beitrag lieferte Burkhard Weishäupl zu den Baustrukturen am Potschepol.
Stadler gab bei der Buchpräsentation, zu der in den Gemeindesaal geladen worden war, auch einen Einblick über die vielseitigen Arbeiten des Jahres 2013: „Wir haben uns den Pferch und die Feuerstelle näher angesehen, aber auch die Felsspalte, die ein Anziehungspunkt für kultische Vorgänge gewesen sein dürfte. Als ein Filmteam vor Ort war, entdeckten wir eine zwei Meter lange Gabel und einen Fischspeer.“
Weishäupl fand einen Bergkristall aus dem 7./8.Jahrtausend. Stadler: „Es handelt sich um den höchstgelegenen mesolithischen Fund Osttirols.“ Am Niedermoor Potschepol wurden Proben für eine Pollenanalyse gezogen. Es gibt schon C14-Daten. Stadler: „Die ersten 32 Pollenproben wurden in Graz bereits aufgearbeitet.“ Diese Labormethode soll Licht in das Dunkel der Vegetations- und Klimageschichte bringen.
2014 gehen die Arbeiten am Potschepol in die nächste Runde. Die Publikation von Cornelia Klocker ist im Gemeindeamt Ainet erhältlich.
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